mit mehreren Veränderlichen
Kompetenzcode: FA 1.8
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine Funktion kann von mehreren Eingabegrößen gleichzeitig abhängen. Entscheidend ist: Zu jeder zulässigen Kombination der Eingaben gehört genau ein .
Kernidee: Bei bestimmen und gemeinsam den Wert der Funktion. Ein einzelner Eingabewert reicht daher nicht aus.
1. Von einer zu mehreren Eingaben
Bei einer Funktion einer Veränderlichen gilt zum Beispiel
Der Funktionswert hängt nur von ab.
Bei einer Funktion mit zwei Veränderlichen kann gelten
Jetzt hängt der Funktionswert von zwei Eingaben ab:
- : Anzahl eines Produkts A
- : Anzahl eines Produkts B
- : Gesamtkosten
Die Eingaben bilden ein geordnetes Paar . Die Reihenfolge ist wichtig:
muss im Allgemeinen gelten.
Sprechweise: bedeutet: Für und beträgt der Funktionswert .
2. Schreibweisen richtig lesen
Bei drei Eingaben schreibt man zum Beispiel
Hier bestimmen , und gemeinsam das Volumen .
3. Veränderliche, und Konstanten unterscheiden
Betrachte
- und sind die veränderlichen Eingaben.
- ist die abhängige Ausgabe.
- und geben an, wie stark die beiden Eingaben zum Ergebnis beitragen.
In einer allgemeineren Formel
sind und die Veränderlichen. Die Größen , und sind Parameter: Für ein konkretes Modell werden sie festgelegt.
Nicht verwechseln: Mehrere Buchstaben in einer Formel bedeuten nicht automatisch, dass alle davon verändert werden. Der Kontext legt fest, welche Größen Eingaben und welche Parameter sind.
4. Funktionswerte sicher berechnen
Gegeben ist
Gesucht ist .
Schritt 1: Eingaben zuordnen
Schritt 2: Mit Klammern einsetzen
Schritt 3: Berechnen
Schritt 4: Im Kontext deuten
Wenn Kosten in Euro beschreibt, dann betragen die Gesamtkosten für Stück von A und Stück von B insgesamt Euro.
Arbeitsregel: Erst alle Eingaben mit Bedeutung und Einheit notieren, dann einsetzen, berechnen und das Ergebnis in einem vollständigen Satz deuten.
5. Geometrisches Beispiel: Volumen eines Quaders
Für einen Quader gilt
Für
erhält man
Alle drei Längen werden benötigt. Fehlt eine Eingabe, kann der Funktionswert nicht eindeutig bestimmt werden.
Einheitenkontrolle
Die Einheiten helfen zu prüfen, ob die Formel und das Ergebnis zur gesuchten Größe passen.
6. Eine Veränderliche festhalten
Bei
kann festgehalten werden. Für gilt
Damit entsteht eine Funktion nur noch in .
Bedeutung
- bleibt unverändert.
- Nur wird variiert.
- Erhöht man um , steigen die Kosten um Euro.
Umgekehrt gilt für :
Wichtig: Beim Festhalten einer Veränderlichen wird sie durch einen festen Wert ersetzt. Die übrige Veränderliche bleibt als Eingabe erhalten.
7. Änderungen im Kontext beschreiben
Gegeben ist erneut
Vergleiche und :
Bei unverändertem führt eine Erhöhung von um zu einer Erhöhung des Funktionswerts um .
Vergleiche nun und :
Bei unverändertem führt eine Erhöhung von um zu einer Erhöhung um .
Diese Aussagen beziehen sich immer darauf, dass alle anderen Eingaben festgehalten werden.
8. Tabellen mit zwei Eingaben lesen
Bei zwei Veränderlichen kann eine Tabelle so aufgebaut sein:
Um abzulesen, sucht man
- die Zeile ,
- die Spalte .
Dort steht
Typischer Fehler: Zeile und Spalte werden vertauscht. Deshalb zuerst ausdrücklich notieren, welche Eingabe zu den Zeilen und welche zu den Spalten gehört.
9. Definitionsbereich und sachliche Bedingungen
Nicht jede Zahlenkombination ist im Kontext sinnvoll.
Quader
Für reale Kantenlängen gilt
Leistungsformel
Hier müssen Spannung und Stromstärke in passenden Einheiten eingesetzt werden. Dann wird in Watt erhalten.
Formel mit Nenner
Mathematisch ist ausgeschlossen. In einem realen Körpergrößenmodell gelten zusätzlich und .
Prüffrage: Welche Eingabekombinationen sind durch die Formel ausgeschlossen, und welche zusätzlichen Einschränkungen entstehen durch den Kontext?
10. Sichere Vorgehensweise
- Ausgabe benennen: Welche Größe wird berechnet?
- Alle Eingaben bestimmen: Welche Veränderlichen kommen vor?
- Reihenfolge beachten: Welcher Wert gehört zu welchem Argument?
- Einheiten notieren: Sind die eingesetzten Größen kompatibel?
- Mit Klammern einsetzen: Besonders bei negativen Zahlen und Brüchen.
- Schrittweise berechnen: Keine Eingabe auslassen.
- Ergebnis deuten: Bedeutung, Einheit und Eingabekombination nennen.
- Bereich prüfen: Ist die Kombination mathematisch und sachlich zulässig?
- Bei Vergleichen festhalten: Welche Eingaben bleiben unverändert?
11. Typische Fehler
Fehler 1: Nur eine Eingabe einsetzen
Bei reichen die Angaben allein nicht aus, wenn unbekannt bleibt.
Fehler 2: Eingaben vertauschen
Bei gilt und , nicht umgekehrt.
Fehler 3: Parameter als Veränderliche behandeln
In sind , und im konkreten Modell fest.
Fehler 4: Klammern bei negativen Werten vergessen
Für und gilt
nicht .
Fehler 5: Einheit des Ergebnisses nicht prüfen
Bei entsteht eine Volumeneinheit, keine Längeneinheit.
Fehler 6: Eine Veränderung ohne festgehaltene Größen beschreiben
Die Aussage „Wenn steigt, steigt um “ ist nur vollständig, wenn angegeben wird, welche anderen Eingaben konstant bleiben.
Fehler 7: Unzulässige Eingabekombination übernehmen
Ein rechnerisch erzeugter Wert ist kein gültiges Ergebnis, wenn die Eingaben außerhalb des sachlichen Bereichs liegen.
12. Kurz zusammengefasst
- Eine Funktion mit mehreren Veränderlichen besitzt mehrere Eingaben und genau eine Ausgabe.
- Die Eingaben werden als geordnetes Tupel eingesetzt.
- Alle Veränderlichen müssen zugeordnet und mit passenden Einheiten angegeben werden.
- Parameter bleiben im betrachteten Modell fest.
- Wird eine Veränderliche festgehalten, entsteht ein Zusammenhang in den übrigen Veränderlichen.
- Aussagen über Änderungen gelten nur bei festgehaltenen anderen Eingaben.
- Definitionsbereich, Kontext und Einheiten gehören zur vollständigen Interpretation.
Kern der Kompetenz FA 1.8: Formeln mit mehreren Veränderlichen verständig lesen, Funktionswerte korrekt bestimmen und die Abhängigkeiten im jeweiligen Kontext erklären.