Normalapproximation der Binomialverteilung
Kompetenzcode: WS 3.4
Bereich: Wahrscheinlichkeit und Statistik
Die Normalapproximation der Binomialverteilung interpretieren und anwenden können.
Leitidee: Eine Binomialverteilung besteht aus einzelnen Balken bei ganzzahligen Trefferzahlen. Sind die Balken hinreichend gleichmäßig und glockenförmig verteilt, kann ihre Gesamtform durch eine Normalverteilung angenähert werden.
1. Worum es in WS 3.4 geht
Ausgangspunkt ist eine bereits bekannte Binomialverteilung
In WS 3.4 wird nicht mehr geprüft, ob überhaupt ein Binomialmodell vorliegt. Das gehört zu WS 3.3. Auch die exakte Berechnung mit der Binomialverteilung gehört zu WS 3.2.
Hier wird untersucht, ob die diskrete Zufallsvariable näherungsweise durch eine stetige normalverteilte Zufallsvariable ersetzt werden kann:
Dabei übernimmt die Normalverteilung dieselbe Lage und dieselbe Streuung wie die Binomialverteilung:
2. Wann ist die Approximation zulässig?
Die Normalapproximation funktioniert gut, wenn die Binomialverteilung nicht zu stark schief ist und genügend breit streut.
Im Lerncoach verwenden wir die Faustregel
Da
ist das gleichbedeutend mit
Beispiel
Für
gilt:
Damit ist die Faustregel erfüllt. Die Normalapproximation ist gut anwendbar.
Wichtig: Die Faustregel garantiert keine vollkommen exakte Übereinstimmung. Sie zeigt, dass eine brauchbare Näherung zu erwarten ist.
3. Die passende Normalverteilung bestimmen
Für
wird die Näherungsverteilung
verwendet.
Dabei ist
- der Erwartungswert,
- die Varianz,
- die Standardabweichung.
Beispiel
Für
erhält man:
Die Näherungsverteilung lautet daher:
4. Warum braucht man die Stetigkeitskorrektur?
Die Binomialverteilung ist diskret: kann nur ganze Trefferzahlen annehmen.
Die Normalverteilung ist stetig: kann jeden reellen Wert annehmen.
Der einzelne Binomialwert wird deshalb nicht durch einen einzelnen Punkt ersetzt, sondern durch ein der Breite :
Diese Verschiebung der Grenzen um heißt Stetigkeitskorrektur.
5. Die wichtigsten Übersetzungen
Merksatz: Eine eingeschlossene ganze Zahl erhält nach außen eine halbe Einheit Platz.
6. Vollständiges Beispiel: höchstens
Gegeben ist
Gesucht wird
Schritt 1: Faustregel prüfen
Die Normalapproximation ist geeignet.
Schritt 2: bestimmen
Schritt 3: Stetigkeitskorrektur
„Höchstens “ bedeutet:
Schritt 4: Standardisieren
Damit:
Deutung
Mit der Normalapproximation beträgt die Wahrscheinlichkeit für höchstens Treffer ungefähr
Das Zeichen ist wichtig, weil nicht die exakte Binomialwahrscheinlichkeit berechnet wurde.
7. Taschenrechner sinnvoll verwenden
Zuerst werden immer Modell, Faustregel, Parameter und korrigierte Grenze notiert.
Für das vorherige Beispiel kann ein Taschenrechnerbefehl etwa so aussehen:
normalcdf(-1E99, 90.5, 80, sqrt(48))
Das ergibt ungefähr
0.9352
Je nach Gerät kann der Befehl anders heißen. Entscheidend bleiben die mathematischen Eingaben:
- untere Grenze: praktisch ,
- obere Grenze: ,
- Mittelwert: ,
- Standardabweichung: .
Der Taschenrechner ersetzt nicht die Stetigkeitskorrektur. Eine falsche Grenze liefert auch mit korrekter Bedienung ein falsches Modell.
8. Weitere Ereignisse sicher behandeln
Genau
Mindestens
Zwischen und einschließlich
Bei einem Intervall werden also beide Außengrenzen jeweils um erweitert.
9. Typische Fehler
Fehler 1: Faustregel nicht prüfen
Eine Normalverteilung wird verwendet, obwohl die Binomialverteilung stark schief oder sehr schmal ist.
Abhilfe: Immer zuerst prüfen.
Fehler 2: Standardabweichung und Varianz verwechseln
In die Normalverteilungsfunktion wird häufig benötigt, nicht .
Abhilfe: Zwischen
und
klar unterscheiden.
Fehler 3: Stetigkeitskorrektur vergessen
Für wird fälschlich statt verwendet.
Abhilfe: Das Ereignis zuerst sprachlich lesen und danach die Grenze korrigieren.
Fehler 4: Strenge und nicht strenge Ungleichungen verwechseln
und führen zu unterschiedlichen Grenzen.
Fehler 5: Näherung als exaktes Ergebnis ausgeben
Abhilfe: Das Zeichen verwenden und das Ergebnis als Näherung bezeichnen.
10. Sichere Vorgehensweise
- Binomialverteilung notieren.
- Faustregel prüfen.
- und berechnen.
Kern der Kompetenz: Nicht nur eine Normalverteilung verwenden, sondern begründen, warum sie passt und welche Grenzen verwendet werden müssen.
11. Das Wichtigste auf einen Blick
Für
gilt bei erfüllter Faustregel
Dabei werden die Grenzen wegen des Übergangs von diskret zu stetig um korrigiert.
Kurzschema: