Rechenoperationen mit
Kompetenzcode: FA 1.10
Mit Funktionen kann man nicht nur einzelne berechnen.
Man kann aus zwei Funktionen auch neue Funktionen bilden.
Gegeben seien zum Beispiel
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Wir können
- f und g addieren,
- f und g subtrahieren,
- f und multiplizieren,
Der letzte Vorgang heißt Verkettung von Funktionen.
1. Zwei Funktionen addieren
Sind zwei Funktionen f und g gegeben, lautet ihre Summenfunktion:
(f+g)(x)=f(x)+g(x)
Man setzt also denselben x-Wert in beide Funktionen ein und addiert die beiden Ergebnisse.
2. Beispiel zur Summenfunktion
Gegeben:
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Dann:
(f+g)(x)
Damit:
(f+g)(x)=x2+2x+2
3. Definitionsbereich der Summenfunktion
Damit
f(x)+g(x)
berechnet werden kann, müssen beide Funktionswerte definiert sein.
Daher gilt:
Df+g=Df∩
Beispiel:
Df=R
und
Dg=R∖{2}.
Dann:
Df+g=R∖{2}.
4. Funktionen subtrahieren
Die Differenzfunktion lautet:
(f−g)(x)=f(x)−g(x)
Hier ist besonders auf Klammern zu achten.
Die gesamte zweite Funktion wird subtrahiert.
5. Beispiel zur Differenzfunktion
Wieder:
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Dann:
(f
Also:
(f−g)(x)=−x2+2x+4
6. Warum ist die Klammer wichtig?
Betrachten wir:
f(x)−(x2−1).
Das Minuszeichen wirkt auf beide in der Klammer:
−(x2−1)=−x2+1.
Ein häufiger Fehler wäre:
2x+3−x2−1.
Das ist falsch, weil das Minus vor der Klammer nicht vollständig berücksichtigt wurde.
7. Definitionsbereich der Differenzfunktion
Auch für die Differenz müssen beide Funktionen definiert sein:
Df−g=Df∩
Die Subtraktion selbst erzeugt keine zusätzliche Einschränkung.
8. Funktionen multiplizieren
Die Produktfunktion lautet:
(f⋅g)(x)=f(x)⋅g(x)
Die beiden Funktionsterme werden miteinander multipliziert.
9. Beispiel zur Produktfunktion
Gegeben:
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Dann:
(f⋅g)
Damit:
(f⋅g)(x)=2x3+3x
10. Definitionsbereich der Produktfunktion
Auch ein Produkt ist nur dort definiert, wo beide Ausgangsfunktionen definiert sind.
Deshalb:
Df⋅g=Df∩
11. Funktionen dividieren
Die Quotientenfunktion lautet:
(gf)(x)=
Dabei gibt es eine zusätzliche Bedingung:
g(x)=0
Denn durch 0 darf nicht dividiert werden.
12. Beispiel zur Quotientenfunktion
Gegeben:
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Dann:
(gf)(x)=
Nun muss der Nenner untersucht werden.
Es gilt:
x2−1=0.
Faktorisieren:
(x−1)(x+1)=0.
Daher:
x=1
oder
x=−1.
Diese beiden Werte müssen ausgeschlossen werden.
Also:
Dgf
13. Allgemeiner Definitionsbereich einer Quotientenfunktion
Allgemein gilt:
Dgf
Wir benötigen also zwei Prüfungen:
- Sind f(x) und g(x) überhaupt definiert?
- Ist der Nenner g(x) ungleich 0?
14. Kürzen ändert verbotene Werte nicht
Betrachten wir:
f(x)=x2−1
und
g(x)=x−1.
Dann:
g(x)f(x)=x−1
Faktorisieren:
x−1(x−1)(x+1).
Für
x=1
kann gekürzt werden:
x−1(x−1)(x+1)=x+1.
Trotzdem bleibt
x=1
für die ursprüngliche Quotientenfunktion ausgeschlossen.
Daher:
Dgf
Merke:
Ein verbotener Nennerwert wird durch späteres Kürzen nicht wieder erlaubt.
15. Die vier Grundrechenarten im Überblick
Für zwei Funktionen f und g:
Addition
(f+g)(x)=f(x)+g(x)
Subtraktion
(f−g)(x)=f(x)−g(x)
Multiplikation
(f⋅g)(x)=f(x)g(x)
Division
(gf)(x)=
mit
g(x)=0.
16. Was bedeutet Funktionen verketten?
Bei einer Verkettung werden die beiden Funktionswerte nicht miteinander verrechnet.
Stattdessen wird eine Funktion in die andere eingesetzt.
Die Verkettung
f∘g
wird definiert durch
(f∘g)(x)=f(g(x))
Man liest:
f nach g
oder:
f verkettet mit g.
17. Welche Funktion wird zuerst ausgeführt?
Bei
(f∘g)(x)=f(g(x))
steht g(x) innen.
Deshalb wird zuerst g ausgeführt.
Das Ergebnis von g wird anschließend in f eingesetzt.
Schematisch:
x⟶g(x)⟶f(g(x)).
Merke:
Bei f∘g kommt zuerst g, danach f.
18. Verkettung Schritt für Schritt
Gegeben:
f(x)=2x+3
und
g(x)=x2−1.
Gesucht:
(f∘g)(x).
Definition:
(f∘g)(x)=f(g(x)).
Wir setzen
g(x)=x2−1
anstelle des x in f ein.
Da
f(x)=2x+3,
erhalten wir:
f(g(x))=2⋅g(x)+3.
Nun g(x) einsetzen:
f(g(x))
Damit:
(f∘g)(x)=2x2+1
19. Verkettung durch vollständiges Ersetzen
Ein hilfreicher Gedanke ist:
Jeder Platzhalter x in der äußeren Funktion wird durch den gesamten inneren Funktionsterm ersetzt.
Beispiel:
f(x)=x2+4x
und
g(x)=3x−1.
Dann:
f(g(x))=(g(x))2+4g(x).
Einsetzen:
f(g(x))=(3x−1)2+4(3x−1
Erst jetzt wird vereinfacht:
f(g(x))=9
Also:
(f∘g)(x)=9x2+6x−3
20. Klammern bei Verkettungen
Klammern sind besonders wichtig.
Ist
f(x)=x2,
dann bedeutet
f(g(x))
nicht
g(x2).
Sondern:
f(g(x))=(g(x))2
Beispiel:
g(x)=x+2.
Dann:
f(g(x))=(x+2)2.
Ausmultipliziert:
f(g(x))=x2+4x+4
21. Definitionsbereich einer Verkettung
Bei
(f∘g)(x)=f(g(x))
muss zuerst g(x) berechnet werden können.
Außerdem muss der Wert g(x) als Eingabe für f erlaubt sein.
Daher gilt:
Df∘g={x∈D
22. Beispiel zum Definitionsbereich einer Verkettung
Gegeben:
f(x)=x
und
g(x)=x−3.
Dann:
(f∘g)(x)=x−3
Für eine reelle Quadratwurzel muss gelten:
x−3≥0.
Also:
x≥3.
Damit:
Df∘g=[3,∞)
23. Reihenfolge einer Verkettung
Nun betrachten wir mit denselben Funktionen beide Reihenfolgen:
f(x)=2x+3,
g(x)=x2−1.
Wir haben bereits:
(f∘g)(x)=2x2+1.
Nun bestimmen wir:
(g∘f)(x).
Definition:
(g∘f)(x)=g(f(x)).
Da
g(x)=x2−1,
wird der gesamte Term f(x) anstelle von x eingesetzt:
g(f(x))=(f(x))2−1.
Also:
g(f(x))
Damit:
(g∘f)(x)=4x2+12x+8
24. f∘g und g∘f sind meist verschieden
Wir haben:
(f∘g)(x)=2x2+1
aber
(g∘f)(x)=4x2+12x+8.
Daher:
f∘g=g∘f
im Allgemeinen.
Die Reihenfolge einer Funktionsverkettung darf also nicht vertauscht werden.
25. Warum verändert die Reihenfolge das Ergebnis?
Betrachten wir die Wirkung wie eine Maschine.
Bei
f∘g
geschieht:
x⟶g(x)⟶f(g(x)).
Bei
g∘f
geschieht:
x⟶f(x)⟶g(f(x)).
Die beiden Verarbeitungsschritte werden in unterschiedlicher Reihenfolge durchgeführt.
Deshalb entsteht normalerweise ein anderes Ergebnis.
26. Zahlenbeispiel zur Reihenfolge
Gegeben:
f(x)=x+2
und
g(x)=3x.
Für
x=4
gilt zunächst:
g(4)=12.
Danach:
f(12)=14.
Damit:
(f∘g)(4)=14.
Umgekehrt:
f(4)=6.
Danach:
g(6)=18.
Also:
(g∘f)(4)=18.
Damit sieht man direkt:
14=18.
27. Produkt und Verkettung nicht verwechseln
Diese beiden Schreibweisen bedeuten etwas völlig anderes.
Produkt
(f⋅g)(x)=f(x)⋅g(x).
Die beiden Funktionswerte werden multipliziert.
Verkettung
(f∘g)(x)=f(g(x)).
Der Funktionswert von g wird in f eingesetzt.
Beispiel:
f(x)=x+1,g(x)=x2.
Dann:
(f⋅g)(x)=(x+1)x2=x
Aber:
(f∘g)(x)=x2+1.
Das sind verschiedene Funktionen.
28. Vollständiges Beispiel
Gegeben:
f(x)=x+4
und
g(x)=2x−3.
Wir bestimmen alle wichtigen Rechenoperationen.
Summe
(f+g)(x)=
Differenz
(f−g)(x)
Produkt
(f⋅g)(x)
Quotient
(gf)(x)=2x−
Der Nenner darf nicht null sein:
2x−32xx
Damit:
Dgf
Verkettung f∘g
(f∘g)(x)
Verkettung g∘f
(g∘f)(x
Somit:
(f∘g)(x)=(g∘f)(x)
29. Typische Fehler
Fehler 1: Funktionsnamen statt Funktionsterme verrechnen
Aus
(f+g)(x)
wird zuerst
f(x)+g(x).
Erst danach werden die konkreten Funktionsterme eingesetzt.
Fehler 2: Minusklammer vergessen
Bei
(f−g)(x)=f(x)−g(x)
muss der gesamte Term von g(x) subtrahiert werden.
Fehler 3: Beim Produkt nicht vollständig ausmultiplizieren
Bei
(2x+1)(x−3)
muss jeder Term der ersten Klammer mit jedem Term der zweiten Klammer multipliziert werden.
Fehler 4: Nullstellen des Nenners nicht ausschließen
Bei
g(x)f(x)
muss immer geprüft werden:
g(x)=0.
Fehler 5: Nach dem Kürzen einen verbotenen Wert wieder zulassen
Ein Wert, für den der ursprüngliche Nenner null war, bleibt ausgeschlossen.
Fehler 6: Produkt und Verkettung verwechseln
f(x)⋅g(x)
ist nicht dasselbe wie
f(g(x)).
Fehler 7: Verkettung in falscher Reihenfolge
(f∘g)(x)=f(g(x)).
Die innere Funktion g wird zuerst ausgeführt.
Fehler 8: Inneren Funktionsterm nicht vollständig einklammern
Für
f(x)=x2
gilt:
f(g(x))=(g(x))2.
Die gesamte innere Funktion wird quadriert.
30. Vorgehensplan für Grundrechenarten
Gegeben sind f und g.
- Gewünschte Operation erkennen.
- Definition hinschreiben.
- f(x) und g(x) einsetzen.
- Klammern sorgfältig auflösen.
- Term vereinfachen.
- Definitionsbereich prüfen.
- Bei einem Quotienten zusätzlich Nennernullstellen ausschließen.
31. Vorgehensplan für Verkettungen
Gesucht sei
(f∘g)(x).
Schritt 1
Definition:
(f∘g)(x)=f(g(x)).
Schritt 2
Äußere Funktion bestimmen:
f.
Schritt 3
Innere Funktion bestimmen:
g.
Schritt 4
In f(x) jedes x durch den gesamten Term g(x) ersetzen.
Schritt 5
Klammern auflösen und vereinfachen.
Schritt 6
Definitionsbereich prüfen.
32. Zusammenfassung
Addition
(f+g)(x)=f(x)+g(x)
Subtraktion
(f−g)(x)=f(x)−g(x)
Multiplikation
(f⋅g)(x)=f(x)g(x)
Division
(gf)(x)=
mit
g(x)=0.
Verkettung
(f∘g)(x)=f(g(x))
Dabei gilt im Allgemeinen:
f∘g=g∘f
Merke:
Bei den Grundrechenarten werden f(x) und g(x) miteinander verrechnet.
Bei einer Verkettung wird eine Funktion in die andere eingesetzt.