Allgemeine Sinusfunktionen erkennen
Kompetenzcode: FA 6.1
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine allgemeine Sinusfunktion der hier behandelten Form lautet
Sie beschreibt einen periodischen Schwingungsverlauf ohne Verschiebung nach oben, unten, links oder rechts.
Leitidee: Aus dem Graphen liest man Amplitude und Periodenlänge ab. Daraus gewinnt man und .
1. Die Grundfunktion
Die Grundfunktion
schwingt regelmäßig zwischen und .
Wichtige Punkte einer Periode sind
Danach beginnt derselbe Verlauf erneut.
2. Die allgemeine Grundform
Wir betrachten
Dabei gilt:
- verändert die Höhe der Schwingung,
- verändert die Länge einer Periode,
- die Mittellinie bleibt ,
- und der Graph verläuft durch den Ursprung.
Die enthält hier keine Phasenverschiebung und keine vertikale Verschiebung.
3. Eine Sinusfunktion am Graphen erkennen
Ein Graph der Form besitzt typischerweise:
- einen glatten Wellenverlauf,
- regelmäßige Wiederholungen,
- dieselbe maximale und minimale Entfernung von der -Achse,
- die Mittellinie ,
- und den Punkt .
Ein periodischer Verlauf allein reicht nicht aus. Auch Mittellinie, Ursprung und charakteristische Punkte müssen passen.
4. Die Amplitude
Die Amplitude ist die maximale Entfernung von der Mittellinie.
Für
gilt
Der Wertebereich lautet daher
Beispiel
Ein Graph besitzt den Hochpunktwert und den Tiefpunktwert .
Dann gilt
und somit
5. Das Vorzeichen von
Für steigt der Graph unmittelbar rechts vom Ursprung zunächst an.
Für fällt er unmittelbar rechts vom Ursprung zunächst ab.
Beispiel:
beginnt nach dem Ursprung steigend, während
an der -Achse gespiegelt ist und zunächst fällt.
Die Amplitude ist trotzdem , denn sie beträgt .
6. Die Periodenlänge
Die Periodenlänge ist der kleinste positive Abstand, nach dem sich der gesamte Verlauf wiederholt.
Für
gilt
Bei der üblichen Standardwahl folgt
7. Periodenlänge am Graphen ablesen
Für die Periodenlänge verwendet man zwei gleichartige aufeinanderfolgende Punkte, zum Beispiel:
- zwei Hochpunkte,
- zwei Tiefpunkte,
- oder zwei mit derselben Durchgangsrichtung.
Beispiel
Zwei aufeinanderfolgende Hochpunkte liegen bei
und
Dann ist
Daher gilt
8. Fünf charakteristische Punkte
Für und besitzt eine Periode die fünf charakteristischen Punkte
Die Reihenfolge lautet:
Bei werden Hoch- und Tiefpunkt vertauscht.
9. Vom Graphen zur
Schritt 1: Amplitude ablesen
Schritt 2: Vorzeichen von bestimmen
Steigt der Graph nach dem Ursprung zunächst, ist .
Fällt er zunächst, ist .
Schritt 3: Periodenlänge bestimmen
Den Abstand zweier gleichartiger Punkte ablesen.
Schritt 4: berechnen
Schritt 5: Gleichung aufschreiben
10. Beispiel: Graph zur Gleichung
Ein Graph
- schwingt zwischen und ,
- steigt unmittelbar rechts vom Ursprung,
- und besitzt die Periodenlänge .
Damit:
Außerdem:
Somit lautet die Funktion
11. Von der Gleichung zum Graphen
Gegeben sei
Zuerst:
Also ist die Amplitude
Weiter:
Daher:
Die fünf charakteristischen -Werte sind
Weil , fällt der Graph nach dem Ursprung zunächst.
12. Beispiel mit charakteristischen Punkten
Für
gilt
Die Periodenlänge ist
Damit:
Die fünf Punkte lauten
13. Nicht verwechseln: und
Der Parameter ist nicht die Periodenlänge.
Es gilt
Ein größerer Betrag von führt zu einer kürzeren Periode.
Beispiel:
hat die Periode , während
die Periode
besitzt.
14. Gradmaß und Bogenmaß
Bei Funktionsgleichungen wird standardmäßig im Bogenmaß gearbeitet.
Daher gehören zu einer Periode von die Werte
Im Gradmaß wären das
Diese Darstellungen dürfen nicht ungeprüft vermischt werden.
15. Eindeutige Standarddarstellung
Wegen
gilt
Beispiel:
Daher wird für eine eindeutige Standarddarstellung meist
gewählt. Das Vorzeichen wird dann über beschrieben.
16. Welche Graphen gehören nicht zur Grundform?
Nicht jeder Wellenverlauf besitzt die Form
Nicht zur behandelten Grundform gehören beispielsweise Graphen,
- deren Mittellinie nicht ist,
- die bei nicht durch den Ursprung verlaufen,
- deren Amplitude sich verändert,
- deren Periodenlänge nicht konstant ist,
- oder die Sprünge und Ecken besitzen.
Eine verschobene Funktion wie
ist zwar eine Sinusfunktion, aber nicht von der hier behandelten Form .
17. GeoGebra zur Kontrolle
Funktion zeichnen
f(x)=3*sin(2*x)
Zweite Funktion vergleichen
g(x)=-2*sin(x/2)
Amplitude und Periode prüfen
Die Extremwerte liefern die Amplitude. Der Abstand zweier aufeinanderfolgender Hochpunkte liefert die Periodenlänge.
GeoGebra dient zur Kontrolle. Die Gleichung soll weiterhin über Amplitude, Periodenlänge und Vorzeichen begründet werden.
18. Arbeitsplan
- Prüfen, ob der Graph periodisch und glatt verläuft.
- Mittellinie kontrollieren.
- Prüfen, ob der Graph durch den Ursprung verläuft.
- Hoch- und Tiefpunktwerte ablesen.
- Amplitude bestimmen.
- Steig- oder Fallrichtung nach dem Ursprung prüfen.
- Zwei gleichartige Punkte für eine Periode wählen.
- Periodenlänge bestimmen.
- berechnen.
19. Typische Fehler
- Die Amplitude wird mit statt mit angegeben.
- Hochpunkt minus Tiefpunkt wird direkt als Amplitude verwendet.
- wird mit der Periodenlänge verwechselt.
- Für werden zwei nicht gleichartige Punkte verwendet.
- Eine Nullstelle mit steigender und eine mit fallender Durchgangsrichtung werden als eine Periode gewertet.
- Das Vorzeichen von wird nicht geprüft.
- Der Ursprung oder die Mittellinie werden ignoriert.
20. Zusammenfassung
Allgemeine Grundform:
Amplitude:
Periodenlänge:
Bei :
Fünf Punkte einer Periode bei :
Kontrollfrage: Passen Amplitude, Periodenlänge, Ursprung und Verlauf gleichzeitig zur aufgestellten Gleichung?