Der Binomialkoeffizient zählt Auswahlen, bei denen die Reihenfolge keine Rolle spielt. Genau diese Entscheidung ist der wichtigste Schritt vor jeder Rechnung.
Zentrales Ziel: Erkennen, ob dieselbe Auswahl in anderer Reihenfolge wirklich neu ist. Nur bei einer Auswahl ohne Reihenfolge und ohne Wiederholung passt der Binomialkoeffizient.
1. Die wichtigste Frage: Ist die Reihenfolge wichtig?
Bevor gerechnet wird, muss geklärt werden:
Ist dieselbe Auswahl in einer anderen Reihenfolge ein neuer Fall?
Reihenfolge unwichtig
Aus acht Personen wird eine Dreiergruppe ausgewählt.
Die Gruppe
ist dieselbe Gruppe wie
Die Personen sind gleich, nur die Schreibreihenfolge ist anders.
Reihenfolge wichtig
Aus acht Personen werden Gold, Silber und Bronze vergeben.
bedeutet:
- A erhält Gold,
- B erhält Silber,
- C erhält Bronze.
Dagegen bedeutet
etwas anderes. Die Rollen sind anders verteilt.
Merksatz: Gruppe, Team oder Auswahl: Reihenfolge meist unwichtig. Platzierung, Sitzordnung oder verschiedene Rollen: Reihenfolge wichtig.
2. Grundidee des Binomialkoeffizienten
Der Binomialkoeffizient zählt, wie viele verschiedene Auswahlen der Größe aus insgesamt verschiedenen Elementen gebildet werden können.
Dabei gilt:
- Die Reihenfolge spielt keine Rolle.
- Jedes Element wird höchstens einmal ausgewählt.
Geschrieben wird:
Gelesen wird:
„ über “
3. Bedeutung von n und k
Beispiel:
Aus acht Personen werden drei Personen ausgewählt.
Der Ansatz lautet:
4. Wann passt der Binomialkoeffizient?
Der Binomialkoeffizient passt, wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden:
- Werden Elemente aus insgesamt Elementen ausgewählt?
- Spielt die Reihenfolge keine Rolle?
- Wird kein Element mehrfach ausgewählt?
Typische passende Situationen:
- drei Personen für ein Team auswählen,
- vier Bücher aus zehn Büchern auswählen,
- sechs Zahlen aus Zahlen auswählen,
- fünf Aufgaben aus zwölf Aufgaben auswählen.
5. Wann passt er nicht?
Der Binomialkoeffizient passt nicht, wenn:
- die Reihenfolge wichtig ist,
- verschiedene Rollen vergeben werden,
- Elemente angeordnet werden,
- ein Element mehrfach ausgewählt werden darf.
Beispiele:
- Gold, Silber und Bronze vergeben,
- Vorsitz, Stellvertretung und Schriftführung besetzen,
- Bücher in eine bestimmte Reihenfolge stellen,
- einen Code bilden, bei dem Ziffern wiederholt werden dürfen.
6. Kleines Beispiel vollständig aufzählen
Aus vier Personen
werden zwei Personen ausgewählt.
Die verschiedenen Zweiergruppen sind:
Es gibt also sechs Auswahlen:
Die Reihenfolge wird nicht doppelt gezählt:
7. Fakultät
Für die Berechnungsformel wird die Fakultät verwendet.
Beispiel:
Außerdem gilt:
8. Berechnungsformel
Dabei muss der gesamte Ausdruck in der Fakultät stehen.
Beispiel:
Durch Kürzen:
9. Vollständiges Beispiel: Dreiergruppe aus acht Personen
Aufgabe:
Wie viele verschiedene Dreiergruppen können aus acht Personen gebildet werden?
Schritt 1: Reihenfolge prüfen
Eine Gruppe mit A, B und C bleibt dieselbe Gruppe, egal in welcher Reihenfolge die Namen notiert werden.
Die Reihenfolge ist daher unwichtig.
Schritt 2: n und k zuordnen
Schritt 3: Ansatz
Schritt 4: Berechnen
Schritt 5: Deuten
Aus acht Personen können verschiedene Dreiergruppen gebildet werden.
10. Am Taschenrechner: nCr
Auf dem Taschenrechner entspricht
der nCr.
Allgemeine Eingabe:
n nCr k =
Beispiel:
8 nCr 3 =
Ergebnis:
Wichtig: Zuerst , dann
nCr, dann eingeben.
Je nach Taschenrechner befindet sich nCr beispielsweise in einem Menü wie PROB, PRB, OPTN, CATALOG oder Kombinatorik.
11. nCr oder nPr?
nCr passt, wenn die Reihenfolge keine Rolle spielt.
nPr zählt geordnete Auswahlen. Es ist deshalb bei Gruppenaufgaben nicht passend.
Dreiergruppe aus acht Personen
8 nCr 3 = 56
Gold, Silber und Bronze aus acht Personen
Hier ist die Reihenfolge wichtig. nCr ist daher nicht passend.
Kontrollfrage: Würde eine andere Reihenfolge derselben Elemente einen neuen Fall erzeugen?
12. Warum wird durch k! geteilt?
Für drei ausgewählte Personen aus acht gibt es zunächst
geordnete Folgen.
Jede Dreiergruppe erscheint dabei in allen Reihenfolgen der drei Personen.
Für A, B und C sind das beispielsweise:
Das sind
Reihenfolgen derselben Gruppe.
Deshalb wird durch geteilt:
13. Symmetrie
Es gilt:
Beispiel:
Begründung:
Drei Personen auszuwählen ist gleichbedeutend damit, fünf Personen nicht auszuwählen.
14. Randfälle
Niemand wird ausgewählt
Es gibt genau eine Auswahl ohne Element: die leere Auswahl.
Alle werden ausgewählt
Es gibt genau eine Möglichkeit, alle Elemente auszuwählen.
Genau eines wird ausgewählt
15. Zulässige Werte
Für Auswahlaufgaben gilt:
Eine Aufgabe wie
ist in diesem Zusammenhang nicht möglich: Sieben verschiedene Elemente können nicht aus nur fünf Elementen ausgewählt werden.
16. Ergebnis richtig deuten
Der Binomialkoeffizient liefert eine Anzahl von Auswahlmöglichkeiten.
Beispiel:
Passende Deutung:
Aus zehn Aufgaben können verschiedene Vierer-Auswahlen gebildet werden.
Nicht passend:
Die Wahrscheinlichkeit beträgt .
17. Typische Fehler
Reihenfolge nicht geprüft
Die häufigste Fehlerquelle ist, sofort eine Formel oder eine Taschenrechnerfunktion zu wählen.
n und k vertauscht
- : alle verfügbaren Elemente,
- : ausgewählte Elemente.
nCr und nPr verwechselt
Für ungeordnete Auswahlen wird nCr verwendet.
Binomialkoeffizient als Bruch gelesen
ist nicht der Bruch .
Fakultätsklammer vergessen
Richtig:
Wiederholung übersehen
Der Binomialkoeffizient zählt Auswahlen ohne Wiederholung.
Ergebnis falsch gedeutet
Das Ergebnis ist eine Anzahl von Auswahlen.
18. Arbeitsablauf
Zusammenfassung
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Der Binomialkoeffizient zählt Auswahlen ohne Reihenfolge und ohne Wiederholung.
-
Die wichtigste Frage lautet: Erzeugt eine andere Reihenfolge einen neuen Fall?
-
Es gilt: