Charakteristische Eigenschaften linearer
Kompetenzcode: FA 2.4
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine lineare Funktion besitzt eine konstante absolute Änderung. Gleiche Änderungen der Eingabe führen immer zu gleichen Änderungen des Funktionswertes.
Die zwei wichtigsten Schreibweisen dafür sind
und
Leitidee: Bei einer linearen Funktion kommt bei jedem Schritt derselbe Betrag hinzu. Dieser Betrag ist die .
1. Die Schrittformel
Zuerst betrachten wir die Eingabe:
Aus der alten Eingabe wird also die neue Eingabe .
Die gesamte Schrittformel lässt sich so lesen:
In Worten
Wird die Eingabe um erhöht, verändert sich der immer um .
Dabei ist das Vorzeichen von wichtig:
- : Zum bisherigen Funktionswert wird ein positiver Betrag addiert.
- : „“ bedeutet eine Abnahme.
- : Der Funktionswert bleibt gleich.
Beispiel mit positiver Steigung
Für
gilt
Ist , dann folgt
Beispiel mit negativer Steigung
Für
gilt
Ist , dann folgt
Wichtig: Die Zahl in beschreibt die Änderung der Eingabe. Die Zahl beschreibt die zugehörige Änderung der Ausgabe.
2. Warum gilt die Schrittformel?
Gegeben ist eine beliebige lineare Funktion
Wir ersetzen durch :
Der Parameter steckt bereits in . Für die Änderung von zu ist nur entscheidend.
3. Die allgemeine Schrittformel
Die Eingabe muss nicht immer um verändert werden.
Für eine Änderung um gilt:
Also:
Beispiele
Für gilt:
Denn
Für gilt:
denn
Typischer Fehler: Bei einem Schritt von ist die Änderung nicht , sondern .
4. Konstante absolute Änderung in einer Tabelle
Betrachte die Tabelle:
Bei jedem Schritt gilt:
Die ersten Differenzen sind konstant. Daher ist
Erkennungsregel bei gleichen -Schritten
Wenn die -Werte jeweils um denselben Betrag steigen, ist eine Tabelle genau dann linear, wenn die Änderungen der Funktionswerte konstant sind.
Achtung: Konstante Differenzen der Funktionswerte dürfen nur bei gleich großen -Schritten direkt verglichen werden.
5. Der konstante Differenzenquotient
Sind die -Schritte nicht gleich groß, verwenden wir den Differenzenquotienten:
Die Bestandteile bedeuten:
Beispiel
Gegeben sind
Dann gilt:
Die Ausgabe steigt also pro zusätzlicher -Einheit um .
Gleiche Punktreihenfolge
Zähler und Nenner müssen in derselben Reihenfolge gebildet werden:
Nicht zulässig wäre eine gemischte Reihenfolge.
6. Warum ist der Differenzenquotient konstant?
Für
gilt:
Der Parameter fällt bei der Differenz weg. Deshalb bestimmt zwar die Lage der Geraden, aber nicht ihre Änderungsrate.
7. Zusammenhang mit der Ableitung
Eine lineare Funktion hat an jeder Stelle dieselbe Steigung.
Daher gilt:
Für
ist also
Die Ableitung ist keine neue veränderliche Funktion, sondern eine konstante Funktion:
Beispiel
hat die Ableitung
Die Gerade fällt an jeder Stelle mit derselben Steigung.
8. Drei gleichwertige Kennzeichen
Eine Funktion ist auf einem betrachteten Bereich linear, wenn sich dieselbe konstante Änderung in den verschiedenen Darstellungen zeigt.
Formel
Schrittformel
Differenzenquotient
Graph
Der Graph ist eine Gerade.
Tabelle
Bei gleich großen -Schritten sind die ersten Differenzen konstant.
Merksatz: Diese Eigenschaften beschreiben dieselbe mathematische Idee in verschiedenen Darstellungen.
9. Schrittformel im Kontext
Taxikosten
wobei in Kilometern und in Euro gemessen wird.
Dann gilt:
In Worten:
Wird die Fahrt um einen Kilometer verlängert, steigen die Kosten um .
Wassertank
wobei in Minuten und in Litern gemessen wird.
Dann gilt:
In Worten:
Nach jeder weiteren Minute befinden sich Liter weniger im Tank.
Temperatur
Dann gilt:
Denn in vier Stunden beträgt die Änderung
10. Einheiten richtig deuten
Die Steigung besitzt die Einheit
Beispiele:
- Euro pro Kilometer
- Liter pro Minute
- Grad Celsius pro Stunde
- Meter pro Sekunde
In der Schrittformel für ist genau die Änderung der Ausgabe bei einer Eingabeeinheit.
Bei einem Schritt der Breite besitzt die Einheit der Ausgabegröße.
11. Linearität prüfen
Tabelle mit gleichen Schritten
Die Differenzen sind konstant . Die Daten sind linear.
Nicht lineare Tabelle
Die Differenzen lauten . Sie sind nicht konstant. Die Daten sind nicht linear.
Ungleiche -Schritte
Bei ungleichen Schritten müssen mehrere Differenzenquotienten verglichen werden. Sind sie nicht gleich, liegt keine lineare Funktion vor.
12. Typische Fehler
- mit verwechseln.
- als Erhöhung des Funktionswertes um deuten.
13. Arbeitsplan
Schrittformel verwenden
- Schrittbreite bestimmen.
- Bei die Beziehung verwenden.
- Bei allgemeinem verwenden.
Linearität prüfen
- -Schritte untersuchen.
- Bei gleichen Schritten die ersten Differenzen berechnen.
- Bei ungleichen Schritten Differenzenquotienten berechnen.
- Prüfen, ob überall derselbe Wert entsteht.
- Mit Graph oder Gleichung kontrollieren.
- Aussage auf den betrachteten Bereich beschränken.
Kontrollfrage: Habe ich klar getrennt, wie sich die Eingabe und wie sich der Funktionswert verändert?