Geradengleichungen in expliziter und impliziter Form
Kompetenzcode: FA 2.7
Lineare Zusammenhänge können in verschiedenen Formen beschrieben werden.
Zwei besonders wichtige Darstellungen einer Geraden sind:
und
Die erste Form heißt explizite Form, die zweite implizite Form.
Lineare spielen außerdem eine wichtige Rolle in wirtschaftlichen Modellen, zum Beispiel bei Kosten, Erlös und Gewinn.
1. Explizite Geradengleichung
Die explizite Form lautet:
Dabei ist
die und
der y-Achsenabschnitt.
Der Punkt
liegt immer auf der Geraden.
2. Bedeutung der Steigung
Die Steigung gibt an, wie stark sich verändert, wenn um eine Einheit wächst.
Es gilt:
Bei
steigt die Gerade.
Bei
fällt die Gerade.
Bei
ist die Gerade waagrecht.
3. Explizite Geradengleichung aus und
Gegeben seien
und
Wir setzen direkt in
ein:
Damit ist die Geradengleichung vollständig angegeben.
4. Beispiel mit negativer Steigung
Gegeben:
Dann:
Die Gerade fällt und schneidet die -Achse bei
5. Implizite Geradengleichung
Eine lineare in der Form
heißt implizite Geradengleichung.
Dabei dürfen und nicht gleichzeitig null sein.
Beispiel:
6. Warum heißt die Form implizit?
Bei
steht bereits allein.
Bei
ist im Allgemeinen noch nicht isoliert.
Die Beziehung zwischen und ist also durch die Gleichung gegeben, ohne dass bereits ausdrücklich als Funktion von angeschrieben ist.
7. Explizite Form in implizite Form umwandeln
Gegeben:
Wir bringen alle Terme auf eine Seite:
Damit ist zum Beispiel
eine implizite Form.
Äquivalent ist:
Die gesamte Gleichung wurde dabei nur mit multipliziert.
Beide Gleichungen beschreiben dieselbe Gerade.
8. Implizite Form ist nicht eindeutig
Gegeben:
Multipliziert man die gesamte Gleichung mit , erhält man:
Auch diese Gleichung beschreibt dieselbe Gerade.
Merke:
Äquivalente Vielfache einer impliziten Geradengleichung beschreiben dieselbe Gerade.
9. Implizite in explizite Form umwandeln
Gegeben:
Gesucht ist die Form
Wir lösen nach auf:
Damit:
Wir können direkt ablesen:
10. Wann ist keine explizite Form möglich?
Betrachten wir:
In impliziter Form:
Diese Gerade ist senkrecht zur -Achse.
Für denselben -Wert gibt es unendlich viele -Werte.
Deshalb kann diese Gerade nicht als Funktion
geschrieben werden.
Allgemein ist bei
eine Auflösung nach nur möglich, wenn
11. Allgemeine Umrechnung der impliziten Form
Aus
mit
folgt:
Daher:
und
12. Geradengleichungen kontrollieren
Nach einer Umformung kann man einen Punkt einsetzen.
Gegeben:
Für
ist
Der Punkt
liegt also auf der Geraden.
Die implizite Form lautet:
Einsetzen:
Die Gleichung stimmt.
Damit beschreiben beide Formen dieselbe Gerade.
13. Lineare Funktionen in wirtschaftlichen Modellen
Lineare Funktionen werden häufig verwendet, um vereinfachte wirtschaftliche Zusammenhänge zu beschreiben.
Typische Größen sind:
- Kosten ,
- Erlös ,
- Gewinn ,
- produzierte oder verkaufte Menge .
Dabei muss immer auf die Bedeutung und Einheit der Größen geachtet werden.
14. Lineare Kostenfunktion
Eine typische lineare Kostenfunktion lautet:
Dabei sind
die Fixkosten und
die variablen Stückkosten.
Die Variable
beschreibt die produzierte Menge.
15. Fixkosten
Fixkosten entstehen unabhängig davon, wie viele Einheiten produziert werden.
Bei
gilt:
Deshalb kann man die Fixkosten direkt als Funktionswert bei Menge null bestimmen:
16. Beispiel einer Kostenfunktion
Ein Betrieb hat Fixkosten von
und variable Kosten von
pro Stück.
Dann:
Für Stück:
Die Gesamtkosten für Stück betragen also:
17. Fixkosten aus einer Kostenfunktion bestimmen
Gegeben:
Dann:
Damit:
Interpretation:
Auch wenn nichts produziert wird, entstehen Kosten von .
18. Variable Stückkosten bestimmen
Gegeben:
Die Steigung beträgt:
In diesem Kontext bedeutet sie:
Jede zusätzliche produzierte Einheit erhöht die Gesamtkosten um .
Damit sind die variablen Stückkosten:
19. Kostenfunktion aus einem Text aufstellen
Gegeben:
- Fixkosten: ,
- variable Kosten: pro Stück.
Dann:
und
Somit:
20. Lineare Erlösfunktion
Werden alle Stücke zu einem konstanten Preis verkauft, gilt:
Bei Menge null gibt es keinen Erlös:
Deshalb verläuft eine solche lineare Erlösfunktion durch den Ursprung.
21. Beispiel einer Erlösfunktion
Ein Produkt wird für
pro Stück verkauft.
Dann:
Bei verkauften Stück:
Der Erlös beträgt:
22. Gewinnfunktion
Der Gewinn ist die Differenz aus Erlös und Kosten.
Es gilt:
Ist
wird Gewinn erzielt.
Ist
liegt eine Gewinnschwelle vor.
Ist
entsteht ein Verlust.
23. Gewinnfunktion aufstellen
Gegeben:
und
Dann:
Damit:
24. Break-even-Punkt
Am Break-even-Punkt sind Erlös und Kosten gleich groß.
Es gilt:
Gleichzeitig ist der Gewinn dort null:
Der Break-even-Punkt ist also der Schnittpunkt von Kosten- und Erlösfunktion.
25. Break-even-Menge berechnen
Wir verwenden:
und
Am Break-even gilt:
Umformen:
Damit:
26. Break-even-Umsatz beziehungsweise Kosten
Nun setzen wir
in eine der beiden Funktionen ein:
Auch:
Der Break-even-Punkt lautet damit:
Die erste Koordinate beschreibt die Menge.
Die zweite Koordinate beschreibt sowohl Kosten als auch Erlös an der Gewinnschwelle.
27. Break-even wirtschaftlich interpretieren
Für das Beispiel bedeutet
Bei einer Absatzmenge von Stück sind Kosten und Erlös jeweils . Der Gewinn beträgt dort .
Unterhalb der Gewinnschwelle gilt hier:
Es entsteht Verlust.
Oberhalb der Gewinnschwelle gilt:
Es entsteht Gewinn.
28. Break-even über die Gewinnfunktion
Wir hatten:
Für die Gewinnschwelle setzen wir:
Also:
Umformen:
Wir erhalten dieselbe Break-even-Menge.
29. Allgemeine Formel für ein lineares Wirtschaftsmodell
Seien:
und
Dann:
Am Break-even gilt:
Falls
folgt:
30. Wann gibt es in diesem Modell keine positive Gewinnschwelle?
Ist der Stückpreis nicht größer als die variablen Stückkosten, also
dann wächst der Erlös nicht schneller als die Kosten.
Bei positiven Fixkosten kann dann keine positive Produktionsmenge die Fixkosten ausgleichen.
Das zeigt:
Eine rechnerische Formel muss immer auch wirtschaftlich interpretiert werden.
31. Einheiten beachten
Bei einer Kostenfunktion
können die Größen beispielsweise bedeuten:
Die Steigung besitzt also eine andere Einheit als der Funktionswert.
Eine gute Interpretation nennt immer die passende Einheit.
32. Ist ein lineares Wirtschaftsmodell realistisch?
Ein lineares Modell ist eine Vereinfachung.
Bei
wird zum Beispiel angenommen, dass die variablen Kosten pro Stück konstant bleiben.
Das muss in der Realität nicht für beliebig große Produktionsmengen gelten.
33. Typische Annahmen eines linearen Kostenmodells
Ein einfaches lineares Kostenmodell nimmt an:
- Fixkosten bleiben im betrachteten Bereich konstant.
- Variable Stückkosten bleiben konstant.
- Es treten keine zusätzlichen Kapazitätssprünge auf.
- Produktionsbedingungen ändern sich nicht wesentlich.
Diese Annahmen können für einen begrenzten Bereich sinnvoll sein.
Außerhalb dieses Bereichs kann das Modell ungeeignet werden.
34. Typische Annahmen einer linearen Erlösfunktion
Für
wird angenommen:
- der Stückpreis bleibt konstant,
- jede produzierte Menge kann auch verkauft werden,
- es gibt keine Rabatte,
- der Marktpreis verändert sich nicht mit der Absatzmenge.
Auch diese Annahmen sind nicht immer realistisch.
35. Beispiel zur Modellkritik
Ein Unternehmen verkauft ein Produkt laut Modell dauerhaft um
pro Stück.
Die Erlösfunktion lautet:
Für kleine und mittlere Absatzmengen kann dies plausibel sein.
Bei extrem großen Absatzmengen könnten jedoch
- Preisnachlässe notwendig werden,
- die Nachfrage begrenzt sein,
- Lager- oder Vertriebskosten steigen.
Dann ist eine lineare Fortsetzung des Modells möglicherweise nicht mehr angemessen.
36. Geeigneten Modellbereich angeben
Ein Modell kann beispielsweise nur für
sinnvoll sein.
Dann dürfen Aussagen für
nicht automatisch aus demselben Modell abgeleitet werden.
Merke:
Ein mathematisches Modell gilt nur innerhalb der Voraussetzungen, unter denen es aufgestellt wurde.
37. Vollständiges Wirtschaftsbeispiel
Ein Betrieb hat:
- Fixkosten von ,
- variable Stückkosten von ,
- Verkaufspreis von .
Kostenfunktion
Erlösfunktion
Gewinnfunktion
Also:
Break-even-Menge
Damit:
Break-even-Wert
Damit:
Interpretation:
Bei verkauften Stück sind Kosten und Erlös jeweils . Erst bei größeren Mengen erzielt das Unternehmen in diesem linearen Modell einen positiven Gewinn.
38. Typische Fehler bei Geradengleichungen
Fehler 1: und vertauschen
In
ist die Steigung und der Achsenabschnitt.
Fehler 2: Beim Umformen nur einen Term verändern
Äquivalenzumformungen müssen auf die gesamte Gleichung angewendet werden.
Fehler 3: Implizite Form für eindeutig halten
Auch
und
beschreiben dieselbe Gerade.
Fehler 4: Senkrechte Gerade nach auflösen wollen
Eine Gerade wie
besitzt keine Darstellung
39. Typische Fehler bei Wirtschaftsmodellen
Fehler 1: Fixkosten mit Stückkosten verwechseln
Fixkosten sind der Wert
Variable Stückkosten entsprechen der Steigung.
Fehler 2: Erlös und Gewinn verwechseln
Erlös:
Gewinn:
Fehler 3: Kosten minus Erlös rechnen
Gewinn ist:
Nicht umgekehrt.
Fehler 4: Break-even nur als Menge angeben
Je nach Aufgabe sollte auch der zugehörige Kosten- beziehungsweise Erlöswert bestimmt werden.
Der vollständige Schnittpunkt hat die Form:
Fehler 5: Einheit vergessen
Ein Ergebnis
sollte im Kontext als
interpretiert werden.
Fehler 6: Lineares Modell unbegrenzt extrapolieren
Nur weil eine Funktion mathematisch für alle reellen Zahlen definiert ist, bedeutet das nicht, dass das Sachmodell für alle diese Werte sinnvoll ist.
40. Vorgehensplan: explizit zu implizit
Gegeben:
- Alle Terme auf eine Seite bringen.
- Gleichung gleich schreiben.
- Bei Bedarf mit einer Zahl multiplizieren, um Brüche zu vermeiden.
- Prüfen, ob die Form
vorliegt.
41. Vorgehensplan: implizit zu explizit
Gegeben:
- Prüfen:
- Alle Terme ohne auf die andere Seite bringen.
- Durch dividieren.
- In die Form
bringen.
5. Steigung und Achsenabschnitt ablesen.
42. Vorgehensplan: lineares Wirtschaftsmodell
- Bedeutung von und Einheit festlegen.
- Fixkosten bestimmen.
- Variable Stückkosten bestimmen.
- Kostenfunktion aufstellen:
- Stückpreis bestimmen.
- Erlösfunktion aufstellen:
- Gewinnfunktion bilden:
- Für Break-even
oder
lösen.
- Ergebnis mit Menge, Geldbetrag und wirtschaftlicher Bedeutung interpretieren.
- Prüfen, ob das lineare Modell im betrachteten Bereich plausibel ist.
43. Zusammenfassung
Explizite Geradengleichung
Implizite Geradengleichung
Umrechnung bei
Kosten
Erlös
Gewinn
Break-even
beziehungsweise
Merke:
Lineare Gleichungen beschreiben nicht nur Geraden.
Ihre Steigung und ihr Achsenabschnitt können in Sachmodellen eine konkrete wirtschaftliche Bedeutung besitzen.