Graphischer Zusammenhang von , und Stammfunktion
Kompetenzcode: AN 3.2
Bereich: Analysis
Leitidee: Ein Graph kann oder Steigungen darstellen. Entscheidend ist immer, welche Rolle der Graph gerade spielt.
1. Zuerst die Rollen klären
In diesem Thema kommen drei Funktionen vor:
Für Ableitungen verwenden wir ausschließlich die Strichschreibweise , und .
Wichtig: Die Höhe eines Graphen und seine Steigung sind verschiedene Informationen.
Ein Graph kann unterhalb der -Achse liegen und trotzdem steigen. Dann gilt gleichzeitig und .
2. Vom Graphen von zum Graphen von
Der Wert ist die Tangentensteigung des Graphen von an der Stelle .
Beispiel: lokales Maximum
Steigt links von und fällt rechts von , dann gilt:
Der Graph von schneidet bei die -Achse von oben nach unten.
Beispiel: Gerade
Ist eine Gerade mit Steigung , dann ist
Der Ableitungsgraph ist eine waagrechte Gerade bei .
3. Vom Graphen von zurück zum Graphen von
Ist der Graph von gegeben, liest du aus seiner Höhe die Steigung von ab.
- Liegt über der -Achse, steigt .
- Liegt unter der -Achse, fällt .
Prüfregel: Eine Nullstelle von ist zunächst nur eine Stelle mit waagrechter Tangente. Für ein Extremum muss das Vorzeichen von wechseln.
4. Von zu einer Stammfunktion
Für jede Stammfunktion gilt:
Damit beschreibt die Höhe von die Steigung von .
Alle Stammfunktionen unterscheiden sich nur durch eine vertikale Verschiebung:
Die Konstante verändert die Höhe des Stammfunktionsgraphen, aber nicht seine Steigungen.
5. Die NEW-Regel
NEW steht für:
- Nullstelle,
- Extremstelle,
- Wendestelle.
Die NEW-Regel wird treppenförmig aufgeschrieben:
f(x) N E W
f'(x) N E W
f''(x) N E W
Spaltenweise lesen
Die Einträge, die senkrecht untereinander stehen, gehören zur gleichen -Stelle:
- Die Extremstelle E von steht in derselben Spalte wie die Nullstelle N von .
- Die Wendestelle W von steht in derselben Spalte wie die Extremstelle E von und die Nullstelle von .
So sieht man ohne Pfeilregel sofort, welche besonderen Stellen zusammengehören.
Eine Stammfunktion mitdenken
Gilt , kann man gedanklich oberhalb von noch eine weitere, um eine Stelle nach links versetzte Zeile für ergänzen. Dann liest man ebenfalls spaltenweise:
- Eine Nullstelle von mit Vorzeichenwechsel gehört zu einer Extremstelle von .
- Eine Extremstelle von gehört zu einer Wendestelle von .
Achtung: Die NEW-Regel ist eine Merkhilfe, kein automatischer Beweis. Eine Nullstelle von liefert nur bei einem passenden Vorzeichenwechsel eine Extremstelle von . Eine Wendestelle verlangt einen tatsächlichen Krümmungswechsel. Bei den hier betrachteten glatten Funktionen wird außerdem die passende Nullstelle von geprüft.
6. Ausführliches Beispiel
Gegeben sei
Dann ist
Schritt 1: Nullstellen von
liefert und .
Schritt 2: Vorzeichen von
- Für ist : steigt.
- Für ist : fällt.
Daher besitzt bei ein lokales Maximum und bei ein lokales Minimum.
Schritt 3: NEW-Regel
Die Extremstellen von erscheinen als Nullstellen von . Das ist der Schritt
7. Graphen sicher zuordnen
Gehe bei Zuordnungsaufgaben immer in dieser Reihenfolge vor:
- Rollen lesen: Welcher Graph ist , oder ?
- Nullstellen markieren: Wo liegt der Graph auf der -Achse?
- Vorzeichenintervalle lesen: Wo liegt er oberhalb oder unterhalb?
- Steigen und Fallen vergleichen: Passt das Vorzeichen zur Steigung des anderen Graphen?
- Waagrechte Tangenten suchen: Passen sie zu Nullstellen der Steigungsfunktion?
Merksatz: Die -Stellen müssen zusammenpassen. Die -Höhen von und müssen nicht gleich sein.
8. Typische Fehler
- Höhe mit Steigung verwechselt: bedeutet nicht, dass steigt.
- Nullstelle von automatisch als Extremstelle gedeutet: Der Vorzeichenwechsel fehlt.
- Nur einzelne Punkte betrachtet: Entscheidend sind auch die Intervalle dazwischen.
- NEW-Regel ohne Bedingungen verwendet: N, E und W müssen tatsächlich nachgewiesen sein.
9. Kurzcheck
- Was bedeutet für den Graphen von ?
- Wann wird eine Nullstelle von zu einer Extremstelle von ?
10. Zusammenfassung
- ist die Tangentensteigung von an der Stelle .
- Das Vorzeichen von bestimmt, ob steigt oder fällt.