Ein Zufallsexperiment kann verschiedene Ergebnisse besitzen. Der Grundraum sammelt alle möglichen Ergebnisse. Ein Ereignis enthält genau jene Ergebnisse, die eine bestimmte Bedingung erfüllen.
Zentrales Ziel: Ein Zufallsexperiment präzise beschreiben, den vollständigen Grundraum angeben und Ereignisse sowie Gegenereignisse sprachlich und als Mengen formulieren.
1. Zufallsexperiment
Ein Zufallsexperiment ist ein Vorgang,
- der unter denselben Bedingungen wiederholt werden kann,
- dessen mögliche Ergebnisse bekannt sind,
- dessen konkretes Ergebnis vorher nicht sicher feststeht.
Beispiele:
- einen Würfel einmal werfen,
- eine Münze zweimal werfen,
- eine Karte ziehen,
- ein Glücksrad drehen.
Wichtig: Bevor ein Grundraum angegeben wird, muss klar sein, was beim Experiment beobachtet wird.
2. Ergebnis
Ein Ergebnis ist ein einzelner möglicher Ausgang eines Zufallsexperiments.
Ein Ergebnis wird häufig mit
bezeichnet.
Beim einmaligen Würfeln kann beispielsweise gelten:
Die Zahl ist ein einzelnes Ergebnis.
3. Grundraum
Der Grundraum enthält alle möglichen Ergebnisse des Zufallsexperiments.
Er wird mit
bezeichnet.
Beim einmaligen Würfeln:
Beim einmaligen Münzwurf:
Dabei steht für Kopf und für Zahl.
Kontrolle des Grundraums
Ein korrekter Grundraum erfüllt zwei Bedingungen:
- Alle möglichen Ergebnisse sind enthalten.
- Kein unmögliches Ergebnis ist enthalten.
4. Ereignis
Ein Ereignis ist eine Menge von Ergebnissen.
Beim Würfeln sei:
Dann gilt:
Mathematisch ist jedes Ereignis eine Teilmenge des Grundraums:
Das Ereignis tritt ein, wenn das beobachtete Ergebnis in der Ereignismenge liegt.
Beispiele:
- Gewürfelt wird : Das Ereignis tritt ein.
- Gewürfelt wird : Das Ereignis tritt nicht ein.
5. Ergebnis und Ereignis unterscheiden
Ein einzelnes Ergebnis und ein Ereignis sind nicht dasselbe.
Beim Würfeln:
ist ein einzelnes Ergebnis.
Dagegen ist:
ein Ereignis, das genau ein Ergebnis enthält.
Merksatz: Ergebnisse stehen ohne Mengenklammern. Ereignisse werden als Mengen geschrieben.
6. Elementarereignis, sicheres und unmögliches Ereignis
Elementarereignis
Ein Ereignis mit genau einem Ergebnis heißt Elementarereignis.
Beispiel:
Sicheres Ereignis
Das sichere Ereignis enthält den gesamten Grundraum:
Beim Würfeln:
Unmögliches Ereignis
Das unmögliche Ereignis enthält kein Ergebnis:
Beim Würfeln:
7. Gegenereignis
Das Gegenereignis zu enthält alle Ergebnisse aus , die nicht zu gehören.
Es wird mit
bezeichnet.
Formal:
Schülernah:
Es gilt:
und:
8. Zentrales Fehlerbeispiel: „größer als 2“
Beim Würfeln gilt:
Sei:
Das Gegenereignis ist die vollständige Verneinung:
Falsch wäre:
Dabei würde die fehlen.
Merksatz: Das Gegenereignis ist nicht irgendeine gegenteilig klingende Aussage, sondern die vollständige logische Verneinung.
9. Sprachliche Verneinungen mit Mengen
Für die folgenden Beispiele gilt stets:
10. Mehrstufiges Experiment: zweimal Münze werfen
Beim zweimaligen Münzwurf wird die Reihenfolge beachtet.
Der Grundraum lautet:
Dabei gilt:
Beispiel 1: genau einmal Kopf
Das Gegenereignis lautet vollständig:
Die Menge enthält sowohl „zweimal Kopf“ als auch „kein Kopf“.
Beispiel 2: mindestens einmal Kopf
Das Gegenereignis lautet:
11. Grundraum hängt von der Beobachtung ab
Beim zweimaligen Würfeln kann derselbe Vorgang unterschiedlich beobachtet werden.
Einzelne Würfe werden notiert
Dann besteht ein Ergebnis aus einem geordneten Paar:
Der Grundraum enthält alle geordneten Paare.
Nur die Augensumme wird notiert
Dann lautet der Grundraum:
Wichtig: Der Grundraum wird nicht nur durch den Vorgang, sondern auch durch die beobachtete Größe bestimmt.
12. Vereinigung: „oder“
Die Vereinigung enthält alle Ergebnisse, die in oder in oder in beiden Ereignissen liegen.
Beim Würfeln:
und:
Dann:
Das mathematische „oder“ schließt den gemeinsamen Fall ein.
13. Schnitt: „und“
Der Schnitt enthält alle Ergebnisse, die gleichzeitig in und in liegen.
Mit:
und:
gilt:
14. Ereignisse sprachlich und als Menge angeben
Ein Ereignis kann auf verschiedene Arten dargestellt werden.
Sprachlich
Durch Aufzählung
Durch eine Bedingung
Für den Einstieg ist die aufzählende Form besonders übersichtlich.
15. Kontrollfragen
Nach dem Aufstellen von Grundraum und Ereignis:
- Enthält alle möglichen Ergebnisse?
- Enthält kein unmögliches Ergebnis?
- Ist jedes Element von auch in ?
- Wurde das Ereignis als Menge geschrieben?
- Enthält genau die Ergebnisse, die nicht in liegen?
16. Typische Fehler
Ergebnis und Ereignis verwechselt
Falsch:
Richtig:
Grundraum unvollständig
Beim zweimaligen Münzwurf wird beispielsweise vergessen.
Reihenfolge ignoriert
Bei zwei Münzwürfen sind und verschiedene Ergebnisse.
Gegenereignis zu eng formuliert
Falsch:
und:
Richtig:
Gegenereignis nicht als Menge angegeben
Eine rein sprachliche Verneinung ist unvollständig, wenn die zugehörigen Ergebnisse nicht kontrolliert wurden.
„Oder“ zu eng verstanden
Das mathematische „oder“ umfasst auch Ergebnisse, die beide Bedingungen erfüllen.
17. Arbeitsablauf
Zusammenfassung
- Ein Ergebnis ist ein einzelner möglicher Ausgang.
- Der Grundraum enthält alle möglichen Ergebnisse.
- Ein Ereignis ist eine Teilmenge von .
- Ein Elementarereignis enthält genau ein Ergebnis.
- Das sichere Ereignis ist .
- Das unmögliche Ereignis ist .
- Das Gegenereignis enthält alle Ergebnisse aus , die nicht in liegen.