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Unter- und Obersummen werden zum Integral
Wir betrachten f(x) = x² + 1 auf [0; 2]. Die Funktion ist positiv und steigt. Deshalb liefern linke Randpunkte die Untersumme und rechte Randpunkte die Obersumme.
Rechteckbreite
Δx = 0,5
Untersumme
U4 = 3,75
Obersumme
O4 = 5,75
Grenzwert
14/3 ≈ 4,666667
U4 ≤ Integralwert ≤ O4
3,75 ≤ 4,666667 ≤ 5,75
Abstand: O4 - U4 = 2
Bestimmtes Integral als Grenzwert einer Produktsumme
Kompetenzcode: AN 4.1
Bereich: Analysis
Leitidee: Eine gekrümmte Fläche oder ein gesamter Beitrag wird durch viele schmale Rechtecke angenähert. Werden die Rechtecke immer schmaler, nähert sich die Produktsumme einem festen Grenzwert: dem bestimmten Integral.
1. Warum Rechtecke?
Den Flächeninhalt eines Rechtecks können wir sofort berechnen:
Unter einem gekrümmten Graphen ist die Höhe nicht überall gleich. Deshalb zerlegen wir das in viele schmale Teilintervalle. In jedem Teilintervall ersetzen wir das kleine Stück unter dem Graphen durch ein Rechteck.
Für ein Rechteck gilt:
2. Das Intervall gleichmäßig zerlegen
Das Intervall hat die Gesamtlänge
Teilen wir es in gleich breite Teile, dann besitzt jedes Teilintervall die Breite
Beispiel
Das Intervall wird in vier gleich breite Teile zerlegt:
Die Teilintervalle lauten:
Merke: Wird größer, wird kleiner. Die Rechtecke werden schmaler und können den gekrümmten Rand genauer erfassen.
3. Aus vielen Produkten wird eine Produktsumme
Die Rechtecksflächen werden addiert:
Da alle Rechtecke dieselbe Breite besitzen, kann man auch schreiben:
Der Ausdruck heißt Produktsumme, weil viele Produkte aus Breite und Höhe addiert werden.
4. Unter- und Obersumme
In jedem Teilintervall kann man unterschiedliche Rechteckshöhen wählen.
- Für die Untersumme wird die kleinste Funktionshöhe des Teilintervalls verwendet.
- Für die Obersumme wird die größte Funktionshöhe des Teilintervalls verwendet.
Damit gilt bei einer positiven :
Vorsicht bei linken und rechten Randpunkten
Bei einer steigenden Funktion ist der linke Randpunkt im Teilintervall der kleinste und der rechte der größte . Deshalb gilt dann:
- linke Randpunkte Untersumme,
- rechte Randpunkte Obersumme.
Bei einer fallenden Funktion ist es genau umgekehrt.
Wichtig: „Links“ bedeutet nicht automatisch „Untersumme“. Allgemein entscheiden immer der kleinste und der größte Funktionswert im jeweiligen Teilintervall.
5. Ausführliches Beispiel mit
Wir betrachten die positive und steigende Funktion
auf dem Intervall . Wir beginnen mit Rechtecken.
Schritt 1: Breite bestimmen
Schritt 2: Untersumme
Da die Funktion steigt, verwenden wir die linken Randpunkte
Die zugehörigen Höhen sind
Damit:
Schritt 3: Obersumme
Für die Obersumme verwenden wir die rechten Randpunkte
Die Höhen sind
Damit:
Der exakte Grenzwert liegt dazwischen:
6. Was geschieht bei mehr Rechtecken?
Für dieselbe Funktion erhält man:
Man erkennt:
- Die Untersummen werden größer.
- Die Obersummen werden kleiner.
- Der Abstand zwischen beiden wird kleiner.
- Beide Folgen nähern sich demselben Wert.
Dieser gemeinsame Grenzwert ist das bestimmte Integral.
7. Das bestimmte Integral als Grenzwert
Eine allgemeine Produktsumme lautet:
Wenn die Zerlegung immer feiner wird, gilt
Nähern sich die Produktsummen dabei einem festen Wert, dann definieren wir:
Kernidee: Das Integral ist nicht ein einzelnes Rechteck und auch keine grobe Rechteckssumme. Es ist der Grenzwert, dem sich immer feinere Produktsummen annähern.
8. Beiträge unterhalb der -Achse
Liegt der Graph unterhalb der -Achse, dann ist . Ein Produkt
ist dann negativ. Solche Rechtecke liefern einen negativen Beitrag zum bestimmten Integral.
Deshalb beschreibt das bestimmte Integral einen orientierten Gesamtbeitrag:
- oberhalb der -Achse: positiver Beitrag,
- unterhalb der -Achse: negativer Beitrag.
Der geometrische Flächeninhalt ist dagegen immer nichtnegativ. Bei einem Vorzeichenwechsel muss man die Teilflächen getrennt betrachten.
9. Bedeutung in Anwendungen und Einheiten
Die Idee „Breite mal Höhe“ tritt auch in Sachzusammenhängen auf.
Geschwindigkeit
Viele kleine Wegänderungen ergeben angenähert die gesamte Wegänderung.
Zuflussrate
Viele kleine Zuflussmengen ergeben die gesamte zugeflossene Menge.
Einheitenregel: Einheit des Integrals = Einheit von mal Einheit der unabhängigen Größe.
10. Typische Fehler
- Eine grobe Rechteckssumme als exakt bezeichnet: Sie ist zunächst nur eine Näherung.
- falsch berechnet: Immer verwenden.
- Links automatisch als Untersumme verwendet: Das gilt nur bei steigenden Funktionen.
- Nur die Höhen addiert: Jede Höhe muss mit der Breite multipliziert werden.
- Unter- und Obersumme vertauscht: Kleinsten und größten Funktionswert je Teilintervall prüfen.
- Grenzwert mit einem sehr großen, aber endlichen verwechselt: Ein endliches liefert weiterhin eine Näherung.
11. Zusammenfassung
- Das Intervall wird in Teilintervalle zerlegt.
- Bei gleichmäßiger Zerlegung gilt .
- Ein kleiner Beitrag hat die Form .