Lineare entstehen, wenn zwei Ausdrücke denselben Wert beschreiben und eine unbekannte Größe nur in der ersten Potenz vorkommt.
Arbeitsplan: festlegen → zwei gleichwertige Ausdrücke bilden → Gleichung aufstellen → mit Äquivalenzumformungen lösen → Probe durchführen → Lösung im Kontext deuten.
1. Was ist eine lineare Gleichung?
Eine Gleichung setzt zwei gleich.
Beispiele:
Diese Gleichungen sind linear, weil nur in der ersten Potenz vorkommt.
Nicht linear sind beispielsweise:
Eine häufige Grundform ist:
Für besitzt diese Gleichung genau eine Lösung.
Zentrales Ziel: Eine lineare Gleichung wird aus einem Sachzusammenhang entwickelt, händisch gelöst und anschließend mit Einheit und vollständigem Antwortsatz gedeutet.
2. Eine Gleichung aus einem Text aufstellen
Bei einer Sachaufgabe muss zuerst festgelegt werden, wofür die Variable steht.
Beispiel: Eintrittskarten
Eine Gruppe bezahlt Grundgebühr und zusätzlich pro Person. Insgesamt werden bezahlt.
Wir setzen:
Die Gesamtkosten können auf zwei Arten beschrieben werden:
und
Da beide Ausdrücke dieselben Gesamtkosten darstellen, gilt:
Merksatz: Eine Sachgleichung entsteht aus zwei gleichwertigen Beschreibungen derselben Größe.
3. Das Waagenprinzip
Eine Gleichung kann als Waage betrachtet werden. Damit die Gleichheit erhalten bleibt, muss auf beiden Seiten dieselbe zulässige Operation durchgeführt werden.
Aus
folgt zum Beispiel:
Für gilt außerdem:
und
Wichtig: Multiplizieren oder Dividieren ist nur mit einer sicher von null verschiedenen Zahl erlaubt.
4. Äquivalenzumformungen sichtbar anschreiben
Äquivalenzumformungen verändern die Lösungsmenge nicht. Jeder Rechenschritt wird direkt über dem Äquivalenzpfeil angegeben.
Beispiel
Die Schreibweise zeigt gleichzeitig:
- welche Operation durchgeführt wird,
- dass sie auf beiden Seiten gilt,
- dass die neue Gleichung dieselbe Lösungsmenge besitzt.
Erlaubte Grundoperationen
- auf beiden Seiten denselben Term addieren,
- auf beiden Seiten denselben Term subtrahieren,
- beide Seiten mit derselben von null verschiedenen Zahl multiplizieren,
- beide Seiten durch dieselbe von null verschiedene Zahl dividieren,
- beide Seiten korrekt vereinfachen.
Beim Vereinfachen wird der Schritt ebenfalls sichtbar beschriftet:
5. Grundform
Gegeben ist:
Zuerst wird auf beiden Seiten subtrahiert. Danach wird durch dividiert:
Zahlenbeispiel
6. Variable auf beiden Seiten
Gegeben ist:
Zuerst werden die Variablenterme auf einer Seite gesammelt:
Sinnvolle Strategie
- Klammern auflösen.
- Beide Seiten vereinfachen.
- Variablenterme auf einer Seite sammeln.
- Zahlenterme auf der anderen Seite sammeln.
- Durch den Koeffizienten der Variablen dividieren.
Tipp: Wähle die Seite für die Variable so, dass möglichst wenige negative Vorzeichen entstehen.
7. Gleichungen mit Klammern
Weg 1: Klammer zuerst auflösen
Weg 2: Zuerst dividieren
Beide Wege sind korrekt, weil jeder Schritt eine zulässige Äquivalenzumformung ist.
Minus vor einer Klammer
8. Gleichungen mit Brüchen
Ein einzelner Bruch
Mehrere Brüche
Der kleinste gemeinsame Nenner ist . Beide Seiten werden mit multipliziert:
Kontrolle: Beim Multiplizieren mit dem gemeinsamen Nenner muss jeder Term der Gleichung berücksichtigt werden.
9. Die drei Lösungsfälle
Nach dem Vereinfachen können genau drei Fälle auftreten.
Genau eine Lösung
Damit gilt:
Keine Lösung
Die Aussage ist falsch. Daher besitzt die Gleichung keine Lösung:
Unendlich viele Lösungen
Die Aussage ist immer wahr. Bei der Grundmenge gilt daher:
Merksatz: Ein Widerspruch bedeutet keine Lösung. Eine wahre Identität bedeutet, dass alle Werte der Grundmenge Lösungen sind.
10. Probe
Eine gefundene Lösung wird in die ursprüngliche Gleichung eingesetzt.
Für
und gilt:
Linke und rechte Seite stimmen überein. Die Lösung ist bestätigt.
Wichtig: Die Probe wird mit der ursprünglichen Gleichung durchgeführt, nicht nur mit einer bereits umgeformten Zeile.
11. Lösung im Kontext deuten
Beim Eintrittskartenbeispiel gilt:
Die Rechnung allein ist noch keine vollständige Antwort.
Vollständige Deutung:
Die Gruppe besteht aus acht Personen.
Eine gute Antwort enthält:
- die gefundene Zahl,
- die passende Einheit oder Bedeutung,
- einen vollständigen Satz,
- eine Prüfung des zulässigen Wertebereichs.
12. Zulässige Werte beachten
Nicht jede mathematische Lösung ist in einer Sachaufgabe sinnvoll.
Personen- und Stückzahlen
Normalerweise gilt:
Eine Lösung wie
ist bei einer Personenanzahl nicht zulässig.
Längen und Zeitspannen
Im üblichen Kontext müssen Längen und Zeitspannen nicht negativ sein:
Kontextkontrolle
Nach dem Lösen wird geprüft:
- Liegt die Lösung im erlaubten Wertebereich?
- Passt die Einheit?
- Ist das Ergebnis realistisch?
- Beantwortet der Antwortsatz tatsächlich die gestellte Frage?
13. Beispiel: Tarifvergleich
Tarif A kostet Grundgebühr und pro Nutzung. Tarif B kostet keine Grundgebühr, aber pro Nutzung.
Wir setzen:
Bei gleichen Gesamtkosten gilt:
Deutung:
Bei fünf Nutzungen kosten beide Tarife gleich viel.
Probe:
14. Beispiel: Rechteck
Der Umfang eines Rechtecks beträgt . Die Länge ist um größer als die Breite.
Wir setzen:
Dann ist die Länge:
Die Umfangsgleichung lautet:
Lösen:
Die Länge ist:
Deutung:
Das Rechteck ist breit und lang.
Probe mit dem Umfang:
15. Typische Fehler
Variable wird nicht definiert
Vor dem Aufstellen muss klar sein, wofür die Variable steht.
Klammer wird vergessen
Wenn die Länge zweimal vorkommt, muss geschrieben werden:
Operation wird nur auf einer Seite durchgeführt
Falsch wäre:
Richtig ist:
Vorzeichenfehler
Durch null teilen
Eine Division ist nur zulässig, wenn der Divisor sicher nicht null ist.
Lösung wird nicht gedeutet
muss in einen vollständigen Satz im Sachzusammenhang übersetzt werden.
16. Arbeitsablauf
Das solltest du können: Lineare Gleichungen aus Sachzusammenhängen aufstellen, jeden Rechenschritt als Äquivalenzumformung sichtbar anschreiben, die drei Lösungsfälle unterscheiden, eine Probe durchführen und die Lösung im Kontext deuten.