Ungleichungen – Grundlagen
Kompetenzcode: MG 2.8
Bei einer sind zwei gleich groß:
Bei einer Ungleichung werden dagegen zwei Größen miteinander verglichen. Zum Beispiel:
Das bedeutet nicht, dass nur eine einzige Zahl gesucht wird. Hier sind alle Zahlen kleiner als 5 Lösungen, zum Beispiel
Die Zahl selbst gehört bei nicht dazu.
Merke: Eine Gleichung beschreibt Gleichheit. Eine Ungleichung beschreibt, welche Seite kleiner oder größer ist. Deshalb kann eine Ungleichung sehr viele Lösungen besitzen.
1. Die vier Ungleichheitszeichen
Es gibt vier wichtige Vergleichszeichen:
Die Zeichen und schließen Gleichheit aus.
Die Zeichen und erlauben Gleichheit.
Beispiel: Ist der Randwert dabei?
Bei
ist keine Lösung.
Bei
ist eine Lösung.
Genau dieser Unterschied wird später auf der Zahlengeraden durch einen offenen oder geschlossenen Punkt sichtbar.
2. Wie liest man das Zeichen richtig?
Das Ungleichheitszeichen wird immer von links nach rechts gelesen.
heißt:
Drehen wir die beiden Zahlen um, muss auch das Zeichen anders aussehen:
Beide Aussagen bedeuten dasselbe.
Eine hilfreiche Vorstellung ist: Die weite Seite des Zeichens zeigt zur größeren Zahl, die Spitze zur kleineren Zahl.
Zum Beispiel:
Die weite Seite zeigt zu , der größeren Zahl.
Tipp: Lies die Aussage immer vollständig in Worten. Das verhindert, dass du und vertauschst.
3. Was bedeutet „eine Ungleichung lösen“?
Nehmen wir
Wir suchen nicht nur einen einzigen Wert für . Wir suchen alle Werte, für die die Aussage stimmt.
Einige Testwerte:
Für :
Die Aussage stimmt. Also ist eine Lösung.
Für :
Die Aussage ist falsch. Also ist keine Lösung.
Durch Umformen können wir alle Lösungen auf einmal finden.
4. Addition und Subtraktion
Bei einer Ungleichung darfst du auf beiden Seiten dieselbe Zahl addieren oder subtrahieren.
Das Ungleichheitszeichen bleibt dabei gleich.
Beispiel 1
Löse
Wir wollen allein haben. Deshalb ziehen wir auf beiden Seiten ab:
Die Lösung lautet:
Also sind alle Zahlen kleiner als Lösungen.
Beispiel 2
Löse
Wir addieren auf beiden Seiten :
Damit gilt:
Die Zahl gehört dazu, weil das Zeichen lautet.
Merke: Beim Addieren oder Subtrahieren derselben Zahl auf beiden Seiten bleibt das Ungleichheitszeichen unverändert.
5. Warum darf man auf beiden Seiten dasselbe tun?
Stell dir zwei Zahlen vor:
Addieren wir auf beiden Seiten , erhalten wir
Die Reihenfolge bleibt gleich: Die linke Zahl ist weiterhin kleiner.
Auch beim Subtrahieren bleibt die Reihenfolge erhalten:
Deshalb funktionieren Addition und Subtraktion bei Ungleichungen ähnlich wie bei Gleichungen.
6. Multiplikation und Division mit einer positiven Zahl
Auch eine Multiplikation oder Division ist erlaubt, wenn wir auf beiden Seiten dasselbe tun.
Ist die Zahl, mit der wir multiplizieren oder dividieren, positiv, bleibt das Ungleichheitszeichen gleich.
Beispiel 1: Division durch eine positive Zahl
Löse
Wir dividieren beide Seiten durch :
Also:
Beispiel 2: Multiplikation mit einer positiven Zahl
Löse
Wir multiplizieren beide Seiten mit :
Damit lautet die Lösungsmenge:
Merke: Multiplizierst oder dividierst du beide Seiten mit derselben positiven Zahl, bleibt das Ungleichheitszeichen gleich.
7. Die besondere Regel bei negativen Zahlen
Jetzt kommt die wichtigste Besonderheit bei Ungleichungen.
Betrachten wir zunächst eine wahre Aussage:
Multiplizieren wir beide Zahlen mit , erhalten wir
Auf der Zahlengeraden gilt aber
Das Zeichen musste sich also umdrehen.
Warum? Durch die Multiplikation mit werden die Zahlen an der gespiegelt. Links und rechts tauschen ihre Rollen. Deshalb wird aus „kleiner“ plötzlich „größer“.
Merke: Beim Multiplizieren oder Dividieren einer Ungleichung mit einer negativen Zahl musst du das Ungleichheitszeichen umdrehen:
und
8. Beispiel mit einer negativen Zahl
Löse
Wir teilen beide Seiten durch . Weil wir durch eine negative Zahl dividieren, drehen wir das Zeichen um:
Die Lösung ist also
Kurze Probe
Nehmen wir einen Wert, der größer als ist, zum Beispiel :
Das stimmt.
Nehmen wir einen Wert, der nicht zur Lösungsmenge gehört, zum Beispiel :
Das ist falsch.
Die Richtung passt also.
9. Mehrere Umformungsschritte
Ungleichungen können wie Gleichungen mehrere Rechenschritte benötigen.
Beispiel
Löse
Zuerst entfernen wir :
Beachte die Reihenfolge:
- Beim Subtrahieren von bleibt das Zeichen gleich.
- Erst beim Dividieren durch wird aus das Zeichen .
Damit gilt:
10. Häufiger Fehler: Das Zeichen zu früh umdrehen
Betrachten wir wieder
Beim ersten Schritt rechnen wir . Das ist eine Subtraktion, keine Division durch eine negative Zahl.
Deshalb bleibt das Zeichen zunächst gleich:
Erst jetzt teilen wir durch :
Wichtig: Nicht das Minuszeichen irgendwo in der Aufgabe entscheidet. Das Zeichen wird nur dann umgedreht, wenn du beide Seiten mit einer negativen Zahl multiplizierst oder durch eine negative Zahl dividierst.
11. Die Lösungsmenge auf der Zahlengeraden
Eine Ungleichung hat häufig unendlich viele Lösungen. Deshalb ist eine Zahlengerade besonders praktisch.
Beispiel:
Gesucht sind alle Zahlen links von .
Die Zahl selbst gehört nicht dazu.
Deshalb zeichnen wir bei einen offenen Punkt und markieren den Bereich nach links.
Beispiel:
Gesucht sind alle Zahlen größer als und zusätzlich selbst.
Deshalb zeichnen wir bei einen geschlossenen Punkt und markieren den Bereich nach rechts.
Die Grafik am Beginn des Kapitels zeigt genau diese beiden Fälle.
12. Offener oder geschlossener Randpunkt?
Hier hilft eine einfache Regel:
Warum?
Bei
würde das Einsetzen von zu
führen. Das ist falsch.
Bei
entsteht dagegen
Das ist richtig.
Deshalb gehört im zweiten Fall zur Lösungsmenge.
13. Welche Richtung wird markiert?
Die Ungleichung selbst sagt dir, in welche Richtung du auf der Zahlengeraden markieren musst.
Kleinere Zahlen
Bei
oder
liegen die Lösungen links von .
Größere Zahlen
Bei
oder
liegen die Lösungen rechts von .
Tipp: Lies die Lösung vor dem Zeichnen in Worten: „x ist kleiner als 2“ bedeutet alle Zahlen links von 2. „x ist größer als 2“ bedeutet alle Zahlen rechts von 2.
14. Lösung durch einen Testwert prüfen
Bei Ungleichungen kann eine Probe sehr hilfreich sein, besonders wenn du unsicher bist, ob du das Zeichen richtig umgedreht hast.
Nehmen wir
Wähle einen einfachen Wert aus dem markierten Bereich, zum Beispiel , und setze ihn in die ursprüngliche Ungleichung
ein:
Die Aussage stimmt.
Du kannst zusätzlich einen Wert außerhalb des Bereichs testen. So erkennst du schnell, ob die gefundene Richtung plausibel ist.
15. Typische Fehler
Fehler 1: und vertauschen
Lies die Ungleichung in Worten und achte darauf, dass die weite Seite des Zeichens zur größeren Zahl zeigt.
Fehler 2: Bei Addition oder Subtraktion das Zeichen umdrehen
Aus
wird korrekt
Das Zeichen bleibt gleich.
Fehler 3: Bei Division durch eine negative Zahl das Zeichen nicht umdrehen
Falsch wäre:
Richtig ist:
Fehler 4: Den Randpunkt falsch markieren
Bei und ist der Randpunkt offen.
Bei und ist der Randpunkt geschlossen.
Fehler 5: Nur einen Wert als Lösung angeben
Eine Ungleichung wie
hat nicht nur die Lösung , sondern unendlich viele Lösungen. Gesucht ist der ganze Lösungsbereich.
16. Der sichere Ablauf
Wenn du eine lineare Ungleichung lösen und darstellen sollst, gehe so vor:
- Ungleichheitszeichen lesen: Was bedeutet , , oder ?
- isolieren: Addiere oder subtrahiere auf beiden Seiten dieselbe Zahl.
- Faktor entfernen: Multipliziere oder dividiere auf beiden Seiten mit derselben von verschiedenen Zahl.
- Negative Zahl prüfen: Bei Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl das Zeichen umdrehen.
17. Das Wichtigste auf einen Blick
Die vier Zeichen bedeuten:
Bei Addition und Subtraktion bleibt das Zeichen gleich:
Bei Multiplikation oder Division mit einer positiven Zahl bleibt es ebenfalls gleich:
Bei Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl wird es umgedreht:
Für die Zahlengerade gilt:
Und ganz wichtig: Eine Ungleichung beschreibt meistens einen ganzen Bereich von Lösungen, nicht nur eine einzelne Zahl.