Kongruenz von Figuren
Kompetenzcode: MG 4.10
Zwei Figuren können gleich aussehen und trotzdem unterschiedlich groß sein. Dann sind sie zwar ähnlich, aber nicht kongruent.
Kongruent bedeutet:
Zwei Figuren haben dieselbe Form und dieselbe Größe.
Du kannst eine Figur also verschieben, drehen oder spiegeln, ohne ihre Form oder Größe zu verändern. Wenn sie danach genau auf die andere Figur passt, sind die Figuren deckungsgleich.
In diesem Kapitel lernst du,
- kongruente Figuren zu erkennen,
- Kongruenz durch Deckungsgleichheit zu begründen,
- den Kongruenzsatz SSS anzuwenden,
- den Kongruenzsatz SWS anzuwenden,
- den Kongruenzsatz WSW anzuwenden.
1. Kongruente Figuren erkennen
Zwei Figuren sind kongruent, wenn sie genau dieselbe Form und dieselbe Größe besitzen.
Das heißt:
- entsprechende Seiten sind gleich lang,
- entsprechende Winkel sind gleich groß.
Eine Figur darf dabei anders liegen.
Sie kann zum Beispiel
- verschoben,
- gedreht,
- gespiegelt
sein.
Die Lage im Blatt ist also nicht entscheidend.
Merke: Kongruenz beschreibt Form und Größe, nicht die Lage.
2. Kongruent oder nur ähnlich?
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Ähnliche Figuren
Ähnliche Figuren haben dieselbe Form.
Sie können aber unterschiedlich groß sein.
Zum Beispiel können zwei Dreiecke dieselben Winkel besitzen, aber eines ist doppelt so groß wie das andere.
Dann sind sie ähnlich, aber nicht kongruent.
Kongruente Figuren
Kongruente Figuren haben
- dieselbe Form
- und dieselbe Größe.
Der Vergrößerungsfaktor wäre also
3. Entsprechende Punkte, Seiten und Winkel
Bei kongruenten Figuren musst du erkennen, welche Teile zusammengehören.
Betrachten wir die Dreiecke
und
Angenommen, es gilt:
Dann gehören zusammen:
Auch die Winkel gehören entsprechend zusammen:
Sind die Dreiecke kongruent, können wir schreiben:
Die Reihenfolge der Buchstaben zeigt dabei die Zuordnung:
4. Kongruenz durch Deckungsgleichheit begründen
Das Wort deckungsgleich beschreibt Kongruenz sehr anschaulich.
Stell dir vor, eine Figur wäre aus Papier ausgeschnitten.
Wenn du sie
- verschieben,
- drehen
- oder spiegeln
kannst und sie danach genau auf die andere Figur passt, dann sind die beiden Figuren kongruent.
Das bedeutet:
5. Was darf sich bei einer Deckung verändern?
Die Lage darf sich ändern.
Die Figur darf also
- weiter links oder rechts liegen,
- gedreht sein,
- spiegelverkehrt liegen.
Nicht verändern dürfen sich:
- Seitenlängen,
- Winkelgrößen,
- Umfang,
- Flächeninhalt.
Beispiel
Zwei Dreiecke haben exakt dieselben Seitenlängen und Winkel.
Das zweite Dreieck ist lediglich um
gedreht.
Dann sind die Dreiecke trotzdem kongruent.
6. Nicht jede Gleichheit reicht aus
Zwei Figuren sind nicht automatisch kongruent, nur weil eine einzelne Eigenschaft übereinstimmt.
Zum Beispiel reicht es nicht, dass
- der Umfang gleich ist,
- der Flächeninhalt gleich ist,
- nur eine Seitenlänge gleich ist,
- nur ein Winkel gleich ist.
Für Dreiecke gibt es deshalb bestimmte Kongruenzsätze.
Mit ihnen kannst du aus wenigen Angaben sicher entscheiden, ob zwei Dreiecke kongruent sind.
Die drei Kongruenzsätze dieses Kapitels sind:
7. Kongruenzsatz SSS
SSS bedeutet:
Sind bei zwei Dreiecken alle drei entsprechenden Seiten gleich lang, dann sind die Dreiecke kongruent.
Formal:
Dann gilt:
8. SSS anwenden – Beispiel
Gegeben sind zwei Dreiecke.
Für das erste Dreieck gilt:
Für das zweite Dreieck gilt:
Wir vergleichen die entsprechenden Seiten:
Alle drei entsprechenden Seiten sind gleich lang.
Deshalb gilt nach SSS:
9. Was folgt aus SSS?
Wenn die Kongruenz feststeht, sind auch die entsprechenden Winkel gleich groß.
Aus
folgt zum Beispiel:
Du musst diese Winkel nicht zusätzlich messen, um die Kongruenz mit SSS zu begründen.
10. Kongruenzsatz SWS
SWS bedeutet:
Sind bei zwei Dreiecken
- zwei entsprechende Seiten gleich lang
- und der eingeschlossene Winkel zwischen diesen Seiten gleich groß,
dann sind die Dreiecke kongruent.
11. Was bedeutet „eingeschlossener Winkel“?
Das ist der Winkel, der zwischen den beiden gegebenen Seiten liegt.
Wenn die gegebenen Seiten
und
sind, dann ist der eingeschlossene Winkel
Denn beide Seiten treffen sich im Punkt .
Merke: Bei SWS muss der gegebene Winkel zwischen den beiden gegebenen Seiten liegen.
12. SWS anwenden – Beispiel
Im Dreieck gilt:
Im Dreieck gilt:
Wir vergleichen:
Außerdem liegt
zwischen und , und
zwischen und .
Damit gilt nach SWS:
13. Typischer Fehler bei SWS
Angenommen, du kennst zwei Seiten eines Dreiecks und zusätzlich einen Winkel.
Das reicht nicht automatisch für SWS.
Du musst prüfen:
Liegt der gegebene Winkel wirklich zwischen den beiden gegebenen Seiten?
Sind zum Beispiel
und
gegeben, dann brauchst du für SWS den Winkel
Ein Winkel bei wäre nicht der eingeschlossene Winkel dieser beiden Seiten.
14. Kongruenzsatz WSW
WSW bedeutet:
Sind bei zwei Dreiecken
- zwei entsprechende Winkel gleich groß
- und die dazwischenliegende Seite gleich lang,
dann sind die Dreiecke kongruent.
15. Was bedeutet „dazwischenliegende Seite“?
Wenn die gegebenen Winkel
und
sind, liegt zwischen diesen beiden Winkeln die Seite
Bei WSW musst du also genau prüfen, ob die gegebene Seite die beiden gegebenen Winkel verbindet.
16. WSW anwenden – Beispiel
Im Dreieck gilt:
Im Dreieck gilt:
Wir vergleichen:
Die Seite liegt zwischen den Winkeln und .
Die Seite liegt zwischen den Winkeln und .
Damit gilt nach WSW:
17. Was folgt aus WSW?
Die Winkelsumme im Dreieck beträgt
Im Beispiel ist daher auch der dritte Winkel festgelegt:
und ebenso:
Da die Dreiecke kongruent sind, stimmen auch die übrigen entsprechenden Seiten überein.
18. Welchen Kongruenzsatz soll ich verwenden?
Gehe immer danach, welche Angaben tatsächlich gegeben sind.
Drei Seiten
Gegeben sind:
Dann:
Zwei Seiten und der Winkel dazwischen
Gegeben sind:
Dann:
Zwei Winkel und die Seite dazwischen
Gegeben sind:
Dann:
19. Ein Entscheidungsweg
Bei einer Aufgabe kannst du so vorgehen:
Schritt 1: Entsprechende Ecken zuordnen
Welche Punkte der beiden Dreiecke gehören zusammen?
Schritt 2: Gleiche Angaben markieren
Markiere gleiche Seiten und gleiche Winkel.
Schritt 3: Reihenfolge prüfen
Erkennst du
oder
Schritt 4: Lage kontrollieren
Bei SWS:
Liegt der Winkel zwischen den beiden Seiten?
Bei WSW:
Liegt die Seite zwischen den beiden Winkeln?
Schritt 5: Kongruenzsatz nennen
Schreibe zum Beispiel:
20. Kongruenz richtig begründen
Eine gute Begründung besteht nicht nur aus dem Wort „SSS“.
Beispiel
Statt nur zu schreiben:
SSS
schreibst du besser:
Daher sind
und
nach dem Kongruenzsatz SSS kongruent.
So ist klar, welche Seiten du miteinander verglichen hast.
21. Typische Fehler
Fehler 1: Ähnlich mit kongruent verwechseln
Ähnlich bedeutet gleiche Form.
Kongruent bedeutet:
Fehler 2: Gedrehte oder gespiegelte Figuren für verschieden halten
Die Lage einer Figur ist für Kongruenz nicht entscheidend.
Verschieben, Drehen und Spiegeln verändern weder Form noch Größe.
Fehler 3: Falsche Seiten zuordnen
Achte auf die Reihenfolge der Eckpunkte.
Wenn
und
dann gehört
zur Seite
Fehler 4: Bei SWS einen falschen Winkel verwenden
Der Winkel muss zwischen den beiden gegebenen Seiten liegen.
Fehler 5: Bei WSW eine falsche Seite verwenden
Die Seite muss zwischen den beiden gegebenen Winkeln liegen.
Fehler 6: Nur gleiche Fläche oder gleichen Umfang als Begründung verwenden
Gleicher Umfang oder gleiche Fläche allein beweisen keine Kongruenz.
22. Das Wichtigste auf einen Blick
Kongruent bedeutet:
also gleiche Form und gleiche Größe.
Kongruente Figuren können durch
- Verschieben,
- Drehen,
- Spiegeln
zur Deckung gebracht werden.
Für Dreiecke:
drei entsprechende Seiten sind gleich.
zwei entsprechende Seiten und der eingeschlossene Winkel sind gleich.
zwei entsprechende Winkel und die dazwischenliegende Seite sind gleich.
Wenn zwei Dreiecke kongruent sind, stimmen alle entsprechenden Seitenlängen und Winkelgrößen überein.