Tabellen, Diagramme und Graphen
Kompetenzcode: MG 5.3
Eine Abhängigkeit zwischen zwei Größen kann auf verschiedene Arten dargestellt werden:
- als Wertetabelle,
- als Graph im Koordinatensystem,
- als Beschreibung im Sachzusammenhang.
Alle drei Darstellungen können dieselbe Information enthalten.
In diesem Kapitel lernst du,
- eine Wertetabelle zu lesen,
- eine Wertetabelle zu vervollständigen,
- aus einer Wertetabelle einen Graphen zu erstellen,
- Werte aus einem Graphen abzulesen,
- Graph und Tabelle einander zuzuordnen,
- einen Graphen im Sachzusammenhang zu interpretieren.
1. Wertetabelle lesen
Eine Wertetabelle enthält zusammengehörige Wertepaare.
Zum Beispiel kostet jedes Heft .
Jede Zeile gehört zusammen.
Zum Beispiel bedeutet
und
Drei Hefte kosten .
2. Überschriften zuerst lesen
Bevor du Zahlen aus einer Tabelle verwendest, lies immer die Überschriften.
Frage:
- Welche Größe steht in der ersten Spalte?
- Welche Größe steht in der zweiten Spalte?
- Welche Einheiten werden verwendet?
Im Beispiel ist
und
Ohne die Überschriften wäre das Wertepaar
nicht eindeutig zu deuten.
3. Wertepaare aus einer Tabelle ablesen
Aus der Tabelle kannst du Wertepaare bilden:
Dabei gilt:
mit
- : unabhängige Größe,
- : abhängige Größe.
Merke: In einer Tabellenzeile stehen Werte, die zusammengehören.
4. Veränderungen in einer Tabelle erkennen
Eine Tabelle zeigt nicht nur einzelne Werte.
Du kannst auch Veränderungen erkennen.
Im Heft-Beispiel:
Der Preis steigt bei jedem zusätzlichen Heft um
Wir können sagen:
Wenn um steigt, steigt um .
Solche Änderungen helfen später beim Vergleichen von Tabelle und Graph.
5. Wertetabelle vervollständigen
Manchmal fehlen Werte in einer Tabelle.
Dann brauchst du die Regel der Abhängigkeit.
Beispiel
Gegeben ist:
Für
gilt:
Für
gilt:
Damit ist die Tabelle:
6. Fehlenden Tabellenwert aus einem Muster bestimmen
Nicht immer ist eine Formel angegeben.
Manchmal erkennst du das Muster direkt aus der Tabelle.
Du erkennst:
Oder sprachlich:
Zu jedem -Wert gehört das Fünffache als -Wert.
Darum:
Der fehlende Wert ist:
7. Nicht jedes Tabellenmuster ist proportional
Achte darauf, nicht vorschnell immer „mal dieselbe Zahl“ zu suchen.
Beispiel:
Hier steigt bei jedem Schritt um
Aber:
Denn bei
ist
In späteren Kapiteln lernst du verschiedene Arten solcher Zusammenhänge genauer kennen.
Für das Vervollständigen genügt zunächst:
Suche das Muster und prüfe es an mehreren Tabellenzeilen.
8. Vom Wertepaar zum Punkt
Ein Wertepaar
kann als Punkt in einem Koordinatensystem dargestellt werden.
Zum Beispiel:
bedeutet:
- auf der -Achse zu ,
- von dort senkrecht nach oben,
- bis zur Höhe ,
- dort den Punkt markieren.
9. Achsen richtig beschriften
Bevor du Punkte einzeichnest, beschrifte die Achsen.
Die waagrechte Achse ist meist die
Die senkrechte Achse ist meist die
In einer Sachaufgabe sollten außerdem die echten Größen und Einheiten stehen.
Zum Beispiel:
- -Achse: Zeit in min,
- -Achse: Weg in m.
Merke: Ein Graph ohne sinnvolle Achsenbeschriftung ist schwer oder gar nicht richtig interpretierbar.
10. Skalierung der Achsen wählen
Die Zahlenabstände auf einer Achse müssen gleichmäßig sein.
Zum Beispiel:
oder
Nicht erlaubt wäre eine ungleichmäßige Folge wie
bei gleichen Abständen auf dem Papier.
Die Skalierung soll so gewählt werden, dass alle Punkte gut in das Koordinatensystem passen.
11. Graph aus einer Wertetabelle erstellen
Gegeben ist:
Schritt 1
Koordinatensystem zeichnen.
Schritt 2
Achsen beschriften.
Schritt 3
Passende Skalierung wählen.
Schritt 4
Die Wertepaare einzeichnen:
Schritt 5
Nur wenn es zur Situation passt, werden die Punkte verbunden.
12. Punkte verbinden oder nicht?
Ob Punkte verbunden werden, hängt vom Sachzusammenhang ab.
Kontinuierliche Größe
Bei Zeit und Strecke kann es auch Zwischenwerte geben.
Zwischen
und
existieren viele weitere Zeitpunkte.
Dann kann eine durchgehende Linie sinnvoll sein.
Einzelne Stückzahlen
Bei der Anzahl gekaufter Hefte gibt es normalerweise keine
Hefte.
Dann sind einzelne Punkte oft passender.
Merke: Nicht automatisch alle Punkte verbinden. Der Sachzusammenhang entscheidet.
13. Werte aus einem Graphen ablesen
Angenommen, du möchtest zum gegebenen
den zugehörigen -Wert ablesen.
Gehe so vor:
- Suche auf der -Achse.
- Gehe senkrecht zum Graphen.
- Vom Schnittpunkt gehst du waagrecht zur -Achse.
- Lies den -Wert ab.
14. Umgekehrt einen -Wert ablesen
Du kannst auch von einem -Wert ausgehen.
Gesucht ist zum Beispiel der -Wert für
Dann:
- Suche auf der -Achse.
- Gehe waagrecht zum Graphen.
- Vom Schnittpunkt senkrecht zur -Achse.
- Lies den -Wert ab.
Die Richtung des Ablesens hängt also davon ab, welche Größe gegeben ist.
15. Zwischenwerte aus einem Graphen ablesen
Ein Graph kann auch Werte zeigen, die nicht ausdrücklich in einer Tabelle stehen.
Angenommen, die Tabelle enthält nur:
und
Ist der Graph dazwischen als durchgehende Linie dargestellt und sind Zwischenwerte im Sachzusammenhang sinnvoll, kannst du zum Beispiel auch bei
einen Wert ablesen.
Das nennt man eine Zwischenwertablesung.
Dabei musst du auf die Genauigkeit der Skala achten.
16. Ablesegenauigkeit beachten
Ein Graph liefert manchmal nur einen ungefähren Wert.
Wenn die Skala zum Beispiel nur Schritte von
zeigt, kannst du einen Wert zwischen und möglicherweise nur ungefähr bestimmen.
Dann ist eine Schreibweise wie
sinnvoller als eine scheinbar exakt gemessene Zahl.
17. Graph und Tabelle einander zuordnen
Um einen Graphen einer Tabelle zuzuordnen, vergleiche mehrere Wertepaare.
Nimm nicht nur einen einzigen Punkt.
Beispiel
Tabelle A:
Tabelle B:
Ein Graph durch den Ursprung passt zu Tabelle A.
Ein Graph, der bei
startet, passt eher zu Tabelle B.
18. Gute Vergleichsstellen auswählen
Zum Zuordnen sind besonders hilfreich:
- der Wert bei ,
- ein weiterer gut ablesbarer Punkt,
- die Richtung des Graphen,
- die Größe der Veränderung.
Wenn die Tabelle zum Beispiel zeigt:
dann steigt bei jedem Schritt in um
Der passende Graph muss dieses Verhalten zeigen.
19. Zuordnung systematisch prüfen
Eine sichere Methode:
Schritt 1
Wähle aus der Tabelle ein Wertepaar.
Schritt 2
Prüfe, ob der entsprechende Punkt auf dem Graphen liegt.
Schritt 3
Prüfe ein zweites Wertepaar.
Schritt 4
Prüfe möglichst noch ein drittes Wertepaar.
Erst dann ordnest du Tabelle und Graph einander zu.
Merke: Ein einzelner gemeinsamer Punkt reicht meistens nicht für eine sichere Zuordnung.
20. Einen Graphen im Sachzusammenhang interpretieren
Ein Graph besteht nicht nur aus Punkten und Linien.
Er erzählt etwas über eine reale Situation.
Angenommen:
- -Achse: Zeit in min,
- -Achse: zurückgelegter Weg in m.
Dann bedeutet ein Punkt
Nach Minuten wurden Meter zurückgelegt.
21. Steigende Abschnitte interpretieren
Wenn ein Graph von links nach rechts steigt, wird die abhängige Größe größer.
Im Weg-Zeit-Beispiel:
Mit zunehmender Zeit nimmt der zurückgelegte Weg zu.
Ein steilerer Anstieg bedeutet dabei:
In derselben Zeit verändert sich der Weg stärker.
Die genaue Berechnung der kommt später.
22. Fallende Abschnitte interpretieren
Wenn ein Graph von links nach rechts fällt, wird die abhängige Größe kleiner.
Beispiel:
- : Zeit,
- : Wassermenge im Tank.
Dann kann ein fallender Graph bedeuten:
Mit zunehmender Zeit wird weniger Wasser im Tank.
23. Waagrechte Abschnitte interpretieren
Ist der Graph waagrecht, verändert sich die abhängige Größe in diesem Abschnitt nicht.
Zum Beispiel bei einem Weg-Zeit-Graphen:
Die Zeit vergeht, aber der zurückgelegte Weg bleibt gleich.
Das kann bedeuten:
Es findet eine Pause statt.
24. Anfangswert interpretieren
Der Wert bei
ist häufig besonders wichtig.
Er beschreibt den Anfang der Situation.
Beispiel:
Ein Tank enthält bei
bereits
Dann startet der Graph bei:
Der Anfangswert ist also
25. Maxima, Minima und Veränderungen erkennen
Bei nicht geradlinigen Graphen kannst du außerdem fragen:
- Wo ist der höchste Wert?
- Wo ist der niedrigste Wert?
- In welchem Abschnitt steigt der Graph?
- In welchem Abschnitt fällt er?
- Wo bleibt er gleich?
So lässt sich ein Verlauf beschreiben, ohne sofort eine Formel zu kennen.
26. Typische Fehler
Fehler 1: Tabellenüberschriften ignorieren
Zahlen ohne Größen und Einheiten können falsch gedeutet werden.
Fehler 2: - und -Wert vertauschen
Beim Punkt
gehst du zuerst zu
und dann zu
Fehler 3: Achsenskalierung nicht beachten
Ein Kästchen bedeutet nicht automatisch .
Lies die Beschriftung.
Fehler 4: Alle Punkte automatisch verbinden
Prüfe, ob Zwischenwerte in der Situation überhaupt sinnvoll sind.
Fehler 5: Graph und Tabelle nach nur einem Punkt zuordnen
Vergleiche mehrere Wertepaare.
Fehler 6: Nur „der Graph steigt“ schreiben
Im Sachzusammenhang sollte erklärt werden, welche Größe steigt und was das bedeutet.
27. Das Wichtigste auf einen Blick
Wertetabelle:
- Überschriften und Einheiten lesen,
- Werte zeilenweise als Paare betrachten,
- Muster erkennen.
Tabelle vervollständigen:
- Regel oder Muster finden,
- fehlenden Wert berechnen,
- mit vorhandenen Zeilen prüfen.
Graph erstellen:
- Achsen zeichnen,
- Größen und Einheiten beschriften,
- Skalierung wählen,
- Wertepaare einzeichnen,
- nur bei passendem Sachzusammenhang verbinden.
Graph ablesen:
- vom gegebenen Achsenwert zum Graphen,
- dann zur anderen Achse.
Graph und Tabelle zuordnen:
- mehrere Wertepaare prüfen.
Graph interpretieren:
- Anfangswert,
- steigende Abschnitte,
- fallende Abschnitte,
- waagrechte Abschnitte,
- besondere Werte
im jeweiligen Sachzusammenhang erklären.