Indirekte Proportionalität als funktionaler Zusammenhang
Kompetenzcode: MG 5.5
Bei einer indirekten Proportionalität verändern sich zwei Größen gegensinnig:
- Wird die eine Größe größer, wird die andere kleiner.
- Wird die eine Größe kleiner, wird die andere größer.
Dabei bleibt ein bestimmtes Produkt gleich.
Ein typisches Beispiel:
Für eine Arbeit werden insgesamt Arbeitsstunden benötigt.
Wenn eine Person allein arbeitet, braucht sie Stunden.
Arbeiten zwei gleich schnelle Personen, braucht jede nur Stunden.
Arbeiten drei gleich schnelle Personen, dauert die Arbeit Stunden.
Es gilt:
Das Produkt bleibt gleich.
In diesem Kapitel lernst du,
- indirekte Proportionalität in einer Tabelle zu erkennen,
- indirekte Proportionalität an einem Graphen zu erkennen,
- die Produktgleichheit zu nutzen,
- fehlende Werte zu bestimmen,
- indirekte Proportionalität im Sachzusammenhang zu deuten.
1. Grundidee
Zwei Größen und sind indirekt proportional, wenn ihr Produkt konstant bleibt.
Mathematisch:
mit einer festen Zahl .
Für kann man auch schreiben:
Das bedeutet:
Wird mit einem vervielfacht, wird durch denselben Faktor geteilt.
2. Typisches Beispiel
Vier gleich schnelle Personen benötigen für eine Arbeit Stunden.
Dann beträgt das konstante Produkt:
Wenn nun Personen arbeiten, muss gelten:
Also:
Acht Personen benötigen somit Stunden.
3. Indirekte Proportionalität anhand einer Tabelle erkennen
Gegeben ist:
Wir berechnen für mehrere Zeilen das Produkt:
Es gilt:
Das Produkt bleibt gleich.
Also liegt eine indirekte Proportionalität vor.
Merke: Bei indirekter Proportionalität ist nicht der Quotient, sondern das Produkt konstant.
4. Faktorprobe in der Tabelle
Eine zweite Möglichkeit ist die Faktorprobe.
Aus
wird
Der -Wert wird also verdoppelt.
Dann muss der -Wert halbiert werden:
Das passt.
Oder:
ist eine Verdopplung.
Dann:
ist eine Halbierung.
Auch das passt.
5. Gegenbeispiel: nicht indirekt proportional
Gegeben ist:
Wir prüfen:
Die Produkte sind nicht alle gleich.
Also ist diese Tabelle nicht indirekt proportional.
6. Direkte und indirekte Proportionalität unterscheiden
Bei direkter Proportionalität gilt:
Bei indirekter Proportionalität gilt:
Direkt proportional:
doppelt so viel doppelt so viel.
Indirekt proportional:
doppelt so viel halb so viel.
7. Indirekte Proportionalität anhand eines Graphen erkennen
In typischen Sachaufgaben sind und positiv.
Dann sieht der Graph einer indirekten Proportionalität so aus:
- Er ist keine Gerade.
- Er fällt von links nach rechts.
- Er ist gekrümmt.
- Er kommt den Achsen immer näher.
Der Graph gehört zu einer der Form
mit .
8. Warum ist der Graph gekrümmt?
Nehmen wir:
Dann erhalten wir:
Die Abnahme ist nicht in jedem Schritt gleich groß.
Von auf sinkt um .
Von auf sinkt nur um .
Deshalb entsteht keine Gerade.
9. Der Graph geht nicht durch den Ursprung
Für eine indirekte Proportionalität
darf nicht sein.
Denn durch darf nicht dividiert werden.
Darum gehört
nicht zum Graphen.
Der Graph nähert sich den Achsen an, erreicht sie aber bei einer echten indirekten Proportionalität nicht.
10. Produktgleichheit nutzen
Der wichtigste Rechenweg lautet:
Wenn ein Wertepaar bekannt ist und ein weiterer Wert gegeben wird, kannst du damit den fehlenden Wert bestimmen.
Beispiel
Gegeben:
Gesucht ist für
Wir setzen ein:
Zuerst berechnen wir das bekannte Produkt:
Dann:
Also:
11. Das konstante Produkt zuerst bestimmen
Oft ist es besonders übersichtlich, zuerst zu bestimmen.
Gegeben:
Dann:
Also:
Damit gilt für alle Wertepaare:
Oder:
12. Fehlenden Wert bestimmen
Gegeben ist:
Zuerst bestimmen wir das konstante Produkt:
Dann gilt für die zweite Zeile:
Daraus:
Der fehlende Wert lautet:
13. Fehlenden -Wert bestimmen
Auch der -Wert kann fehlen.
Gegeben:
Zuerst:
Dann:
Daraus:
Also:
14. Fehlenden Wert mit der Faktoridee bestimmen
Manchmal geht es auch ohne Produktgleichung besonders schnell.
Gegeben:
Gesucht:
Von auf wird die Personenzahl verdreifacht:
Bei indirekter Proportionalität wird die Zeit durch geteilt:
Also:
15. Warum die Produktgleichheit sicherer ist
Die Faktoridee ist praktisch, wenn der Faktor leicht zu erkennen ist.
Bei Zahlen wie
ist das weniger bequem.
Dann ist die Produktgleichheit meist einfacher.
Beispiel:
Zuerst:
Dann:
16. Indirekte Proportionalität im Sachzusammenhang deuten
Ein mathematisches Ergebnis muss zur Situation passen.
Beispiel: Arbeitszeit
Je mehr gleich schnelle Personen an derselben Arbeit beteiligt sind, desto weniger Zeit wird benötigt.
Das bedeutet:
und bei idealer indirekter Proportionalität bleibt
gleich.
17. Beispiel: Geschwindigkeit und Fahrzeit
Eine feste Strecke beträgt
Wenn die Geschwindigkeit größer wird, wird die benötigte Fahrzeit kleiner.
Bei
braucht man:
Das Produkt ist:
Bei
gilt:
Daraus:
Die größere Geschwindigkeit führt zur kleineren Fahrzeit.
18. Beispiel: Aufteilen einer festen Menge
Liter Saft werden gleichmäßig auf Flaschen verteilt.
Je größer das Fassungsvermögen einer Flasche, desto weniger Flaschen werden benötigt.
Bei -Liter-Flaschen:
Bei -Liter-Flaschen:
Das Produkt bleibt die gesamte Saftmenge:
19. Nicht jede gegensinnige Veränderung ist indirekt proportional
Es reicht nicht, dass eine Größe größer und die andere kleiner wird.
Das Produkt muss zusätzlich konstant bleiben.
Beispiel:
Hier wird kleiner, wenn größer wird.
Aber:
Die Produkte sind nicht gleich.
Also liegt keine indirekte Proportionalität vor.
20. Grenzen eines Modells beachten
In echten Situationen gilt indirekte Proportionalität manchmal nur näherungsweise.
Beispiel:
Hundert Personen können nicht jede Arbeit hundertmal schneller erledigen als eine Person.
Vielleicht gibt es:
- zu wenig Platz,
- Wartezeiten,
- Abstimmungsprobleme,
- Aufgaben, die nicht gleichzeitig erledigt werden können.
Die mathematische indirekte Proportionalität ist dann ein Modell.
Du solltest immer prüfen:
Ist die Annahme im Sachzusammenhang sinnvoll?
21. Direkte oder indirekte Proportionalität?
Situation A
Mehr Kilogramm Äpfel bei festem Kilopreis höherer Preis.
Das ist direkt proportional.
Situation B
Mehr gleich schnelle Personen bei gleicher Gesamtarbeit weniger Arbeitszeit.
Das ist indirekt proportional.
Hilfsfrage:
Wird bei Verdopplung der einen Größe die andere ebenfalls verdoppelt oder halbiert?
22. Typische Fehler
Fehler 1: Quotient statt Produkt prüfen
Bei indirekter Proportionalität gilt:
Fehler 2: Nur auf „mehr – weniger“ achten
Eine gegensinnige Veränderung allein reicht nicht.
Das Produkt muss konstant sein.
Fehler 3: Faktor in dieselbe Richtung anwenden
Wird verdoppelt, wird nicht verdoppelt, sondern halbiert.
Fehler 4: einsetzen
Bei
ist nicht erlaubt.
Fehler 5: Graph mit einer fallenden Geraden verwechseln
Der typische Graph einer indirekten Proportionalität ist gekrümmt.
Fehler 6: Ergebnis nicht im Kontext prüfen
Ein mathematisch berechneter Wert kann in einer realen Situation unpassend sein.
23. Das Wichtigste auf einen Blick
Indirekte Proportionalität:
Oder für :
Tabelle prüfen:
muss für alle Wertepaare gleich sein.
Produktgleichheit:
Faktoridee:
Wird mit einem Faktor vervielfacht, wird durch denselben Faktor geteilt.
Typischer Graph bei positiven Größen:
- fallend,
- gekrümmt,
- nicht durch den Ursprung.
Im Sachzusammenhang immer erklären:
- welche Größe größer wird,
- welche kleiner wird,
- welche Größe oder Gesamtmenge durch das konstante Produkt beschrieben wird,
- ob das Modell realistisch ist.