Spannweite und Quartile
Kompetenzcode: MG 7.5
Nachdem Daten geordnet sind, kann man beschreiben, wo sie liegen und wie weit sie auseinanderliegen.
Dafür brauchen wir in diesem Kapitel:
- das Minimum,
- das Maximum,
- die Spannweite,
- das untere Quartil ,
- das obere Quartil .
Quartile teilen eine geordnete Datenliste in Bereiche. Sie sind später auch für Boxplots wichtig.
1. Daten zuerst ordnen
Gegeben ist die Liste
Bevor wir Minimum, Maximum oder Quartile sicher bestimmen, ordnen wir:
Merke: Für Quartile muss die Datenliste aufsteigend geordnet sein.
2. Minimum und Maximum bestimmen
Das Minimum ist der kleinste Wert.
Das Maximum ist der größte Wert.
In
gilt:
und
3. Minimum und Maximum im Kontext
Angenommen, die Werte sind Laufzeiten in Minuten.
Dann bedeutet
Die kürzeste gemessene Laufzeit beträgt .
Und
Die längste gemessene Laufzeit beträgt .
Eine statistische Kennzahl sollte im Kontext immer mit ihrer Bedeutung und Einheit angegeben werden.
4. Spannweite berechnen
Die Spannweite beschreibt den Abstand zwischen größtem und kleinstem Wert.
Es gilt:
Für
und
erhalten wir:
Also:
5. Spannweite im Kontext deuten
Wenn die Daten Laufzeiten in Minuten sind, hat auch die Spannweite die Einheit Minuten.
Das bedeutet:
Zwischen der kleinsten und der größten gemessenen Laufzeit liegen .
Die Spannweite verwendet nur zwei Werte:
- Minimum,
- Maximum.
Sie sagt noch nicht, wie die übrigen Daten verteilt sind.
6. Warum die Spannweite empfindlich ist
Betrachten wir:
Dann:
Nun ersetzen wir nur den letzten Wert durch :
Dann:
Ein einzelner extremer Wert kann die Spannweite also stark verändern.
7. Was sind Quartile?
Quartile teilen eine geordnete Datenliste in vier Bereiche.
Wichtige Quartile sind:
Vereinfacht:
- liegt an der Grenze zum unteren Viertel,
- der Median liegt in der Mitte,
- liegt an der Grenze zum oberen Viertel.
8. Die Lerncoach-Konvention für Quartile
Für die folgenden Aufgaben verwenden wir eine feste Methode:
- Daten aufsteigend ordnen.
- Median bestimmen.
- Bei ungerader Datenanzahl den Median nicht in die beiden Hälften aufnehmen.
- ist der Median der unteren Hälfte.
- ist der Median der oberen Hälfte.
Wichtig: Es gibt verschiedene Quartilskonventionen. In Lerncoach verwenden wir innerhalb dieser Themen konsequent die oben angegebene Methode.
9. Unteres Quartil bestimmen
Gegeben:
Es gibt Werte.
Der Median ist der mittlere Wert:
Der Median wird bei ungerader Anzahl nicht in die beiden Hälften aufgenommen.
Untere Hälfte:
Der Median dieser unteren Hälfte ist:
10. Oberes Quartil bestimmen
Wir verwenden dieselbe geordnete Liste:
Obere Hälfte:
Der Median dieser oberen Hälfte ist:
Damit haben wir:
11. Quartile bei gerader Datenanzahl
Gegeben:
Der Median ist:
Untere Hälfte:
Deren Median ist:
Obere Hälfte:
Deren Median ist:
Also:
12. Unteres Quartil interpretieren
Das untere Quartil beschreibt eine Grenze im unteren Bereich der Daten.
Formal gilt:
Mindestens der Werte sind kleiner oder gleich , und mindestens der Werte sind größer oder gleich .
Beispiel:
Dann kann man sagen:
Mindestens ein Viertel der beobachteten Werte liegt bei höchstens .
Wegen mehrfach vorkommender Werte muss nicht immer genau ein Viertel darunterliegen.
13. Oberes Quartil interpretieren
Für das obere Quartil gilt:
Mindestens der Werte sind kleiner oder gleich , und mindestens der Werte sind größer oder gleich .
Beispiel:
Dann kann man sagen:
Mindestens drei Viertel der Werte liegen bei höchstens .
Oder:
Mindestens ein Viertel der Werte liegt bei mindestens .
14. Die mittleren 50 Prozent
Zwischen und liegt der mittlere Bereich der Daten.
Dieser Bereich umfasst ungefähr die mittleren
der Daten.
Seine Breite heißt Interquartilsabstand:
Für
und
gilt:
Der Interquartilsabstand ist besonders für Boxplots wichtig.
15. Spannweite und Interquartilsabstand unterscheiden
Die Spannweite verwendet:
Also:
Der Interquartilsabstand verwendet:
Also:
Die Spannweite beschreibt den gesamten Abstand von Minimum bis Maximum.
Der Interquartilsabstand beschreibt die Breite des mittleren Datenbereichs.
16. Quartile kontrollieren
Nach der Berechnung sollte gelten:
Wenn zum Beispiel
herauskommt, wurde sicher etwas verwechselt.
Diese Reihenfolge ist eine einfache und wichtige Kontrolle.
17. Beispiel vollständig
Gegeben:
Die Liste ist bereits geordnet.
Minimum
Maximum
Spannweite
Median
Es gibt Werte.
Der Median wird für die Quartile nicht mitgenommen.
Untere Hälfte:
Obere Hälfte:
Damit:
18. Quartile im Sachzusammenhang formulieren
Angenommen, es handelt sich um Wartezeiten in Minuten und es gilt:
Dann sind sinnvolle Aussagen:
Mindestens der Wartezeiten sind höchstens .
Mindestens der Wartezeiten sind höchstens .
Der mittlere Bereich der Wartezeiten liegt ungefähr zwischen und .
Nicht sinnvoll wäre:
Alle Wartezeiten liegen zwischen und .
Denn Minimum und Maximum können außerhalb dieses Bereichs liegen.
19. Typische Fehler
Fehler 1: Daten nicht sortieren
Quartile werden aus der geordneten Liste bestimmt.
Fehler 2: Minimum und Maximum vertauschen
Minimum = kleinster Wert.
Maximum = größter Wert.
Fehler 3: Spannweite addieren
Richtig:
Fehler 4: Median bei ungerader Anzahl doppelt verwenden
In der Lerncoach-Konvention wird der Gesamtmedian nicht noch einmal in die untere oder obere Hälfte aufgenommen.
Fehler 5: und vertauschen
Es gilt:
Fehler 6: Quartile als exakt 25-%-Grenzen missverstehen
Bei gleichen Datenwerten können mehr als auf einer Seite der Quartilsgrenze liegen.
Fehler 7: Quartilsmethoden mischen
Eine Aufgabe muss mit einer einheitlichen Quartilskonvention gelöst werden.
20. Das Wichtigste auf einen Blick
Minimum:
Maximum:
Spannweite:
Quartile:
Bei ungerader Datenanzahl wird der Gesamtmedian in der Lerncoach-Konvention nicht in die beiden Hälften aufgenommen.
Kontrolle:
Quartile helfen dabei, nicht nur die äußeren Grenzen, sondern auch die Lage der mittleren Datenbereiche zu beschreiben.