Grundraum und Ereignisse
Kompetenzcode: MG 8.2
Bei einem Zufallsversuch gibt es mehrere mögliche Ergebnisse.
Um diese übersichtlich zu beschreiben, verwendet man in der Wahrscheinlichkeitsrechnung Mengen.
Die wichtigsten Begriffe dieses Kapitels sind:
- der Grundraum ,
- ein Ereignis ,
- das sichere Ereignis,
- das unmögliche Ereignis.
In diesem Kapitel lernst du,
- den Grundraum eines Zufallsversuchs anzugeben,
- ein Ereignis als Teilmenge des Grundraums zu beschreiben,
- sichere Ereignisse zu erkennen,
- unmögliche Ereignisse zu erkennen.
1. Vom Zufallsversuch zum Grundraum
Betrachten wir einen normalen sechsseitigen Würfel.
Der Zufallsversuch lautet:
Ein Würfel wird einmal geworfen und die Augenzahl wird notiert.
Mögliche Ergebnisse sind:
Die Menge aller möglichen Ergebnisse heißt Grundraum.
Wir schreiben:
Das Zeichen
spricht man „Omega“.
2. Grundraum eines Münzwurfs
Zufallsversuch:
Eine Münze wird einmal geworfen.
Mögliche Ergebnisse:
- Kopf,
- Zahl.
Grundraum:
Der Grundraum enthält jedes mögliche Ergebnis genau einmal.
3. Grundraum beim Ziehen einer Kugel
In einem undurchsichtigen Beutel liegen rote, blaue und grüne Kugeln.
Beobachtet wird nur die Farbe der gezogenen Kugel.
Dann lautet der Grundraum:
Wie viele Kugeln von jeder Farbe im Beutel liegen, ist für die Liste der möglichen Farbergebnisse zunächst nicht entscheidend.
Entscheidend ist:
Welche Ergebnisse können bei der gewählten Beobachtung auftreten?
4. Der Grundraum hängt von der Fragestellung ab
Beim Würfelwurf kann man Verschiedenes beobachten.
Beobachtung: genaue Augenzahl
Beobachtung: gerade oder ungerade Augenzahl
Der physikalische Versuch ist derselbe.
Aber der Grundraum hängt davon ab, welches Ergebnismerkmal festgelegt wurde.
Merke: Vor dem Angeben von muss klar sein, was beobachtet wird.
5. Grundraum vollständig angeben
Ein Grundraum muss alle möglichen Ergebnisse enthalten.
Beim normalen Würfelwurf wäre
unvollständig, weil auch
auftreten kann.
Richtig:
6. Was ist ein Ereignis?
Ein Ereignis fasst ein oder mehrere Ergebnisse zusammen, die eine bestimmte Bedingung erfüllen.
Beim Würfelwurf sei das Ereignis:
„Es fällt eine gerade Zahl.“
Die passenden Ergebnisse sind:
Wir schreiben:
Alle Ergebnisse von gehören auch zum Grundraum.
Darum gilt:
Man sagt:
ist eine Teilmenge von .
7. Ein einzelnes Ergebnis kann ein Ereignis bilden
Beim Würfelwurf sei:
: „Es fällt eine 5.“
Dann:
Auch eine Menge mit nur einem Ergebnis ist ein Ereignis.
Das tatsächlich eintretende Ergebnis eines einzelnen Wurfs kann also gleichzeitig zu einem Ereignis gehören.
8. Ereignis mit mehreren Ergebnissen
Grundraum:
Ereignis:
: „Die Augenzahl ist größer als 3.“
Dann gehören dazu:
Also:
9. Ereignis aus einer Bedingung bestimmen
Gegeben:
Ereignis:
: „Die Augenzahl ist kleiner als 4.“
Wir prüfen jedes Ergebnis:
Aber:
Daher:
10. Ereignis und Ergebnis nicht verwechseln
Beim Würfeln kann das tatsächliche Ergebnis eines Wurfs zum Beispiel
sein.
Ein Ereignis könnte dagegen lauten:
„gerade Zahl“
mit
Das Ergebnis
liegt dann im Ereignis .
Man kann schreiben:
Das Zeichen
bedeutet:
ist Element von.
11. Ein Ereignis kann auch sehr groß sein
Grundraum:
Ereignis:
„Die gewürfelte Zahl ist kleiner als 7.“
Alle möglichen Ergebnisse erfüllen diese Bedingung.
Also:
Damit:
Das führt zum sicheren Ereignis.
12. Sicheres Ereignis erkennen
Ein sicheres Ereignis tritt bei jeder möglichen Durchführung ein.
Es enthält deshalb alle Ergebnisse des Grundraums.
Mathematisch:
Beispiel beim normalen Würfel:
„Es fällt eine Zahl von 1 bis 6.“
Das tritt sicher ein.
Also:
13. Weitere sichere Ereignisse
Grundraum:
Ereignis:
„Es fällt Kopf oder Zahl.“
Das umfasst alle möglichen Ergebnisse.
Also:
Das Ereignis ist sicher.
14. Sicher bedeutet nicht „wahrscheinlich“
Die Wörter „sicher“ und „wahrscheinlich“ bedeuten in der Mathematik nicht dasselbe.
Ein sicheres Ereignis tritt immer ein.
Beispiel Würfel:
„Die Augenzahl ist kleiner als 7.“
Das ist sicher.
Dagegen:
„Es fällt eine gerade Zahl.“
ist möglich, aber nicht sicher.
Denn auch
können auftreten.
15. Unmögliches Ereignis erkennen
Ein unmögliches Ereignis kann bei dem Zufallsversuch nicht eintreten.
Es enthält kein einziges Ergebnis des Grundraums.
Dafür verwendet man die leere Menge:
Beim normalen Würfel sei:
„Es fällt eine 8.“
Da
enthält dieses Ereignis kein mögliches Ergebnis.
Also:
16. Die leere Menge
Die Schreibweise
bedeutet:
Menge ohne Elemente.
Wichtig:
ist nicht dasselbe wie
Denn
enthält ein Element, nämlich die Zahl .
Die leere Menge enthält gar kein Element.
17. Beispiel für ein unmögliches Ereignis
Grundraum:
Ereignis:
„Die Münze zeigt beim einmaligen Wurf gleichzeitig Kopf und Zahl.“
Bei unserem einfachen Münzmodell ist das nicht möglich.
Also:
18. Sicher, möglich oder unmöglich?
Beim Würfelwurf mit
betrachten wir drei Ereignisse.
Ereignis A
„Zahl kleiner als 7“
Also:
Ereignis B
„gerade Zahl“
Das Ereignis ist möglich, aber nicht sicher.
Ereignis C
„Zahl größer als 10“
Also:
19. Ereignisse als Mengen prüfen
Gegeben:
Welche der folgenden Mengen können Ereignisse dieses Zufallsversuchs beschreiben?
A
Ja, denn alle Elemente liegen in .
B
Nein, denn
C
Ja.
Die leere Menge ist das unmögliche Ereignis und damit ebenfalls eine Teilmenge von .
D
Ja.
Der gesamte Grundraum ist das sichere Ereignis.
20. Ereignis verbal und als Menge beschreiben
Du solltest zwischen Sprache und Mengenschreibweise wechseln können.
Beispiel:
Gegeben:
Eine passende verbale Beschreibung ist:
„Die Augenzahl ist größer als 3.“
Oder umgekehrt:
„Es fällt eine ungerade Zahl.“
Dann:
21. Typische Fehler
Fehler 1: Grundraum unvollständig angeben
Der Grundraum enthält alle möglichen Ergebnisse.
Fehler 2: Ergebnis und Ereignis verwechseln
Ein Ergebnis ist ein einzelner Versuchsausgang.
Ein Ereignis ist eine Menge von Ergebnissen.
Fehler 3: Ereignis enthält Werte außerhalb von
Ein Ereignis muss eine Teilmenge des Grundraums sein:
Fehler 4: Sicheres Ereignis nur als „sehr wahrscheinlich“ verstehen
Sicher bedeutet:
Es tritt immer ein.
Fehler 5: Unmögliches Ereignis mit verwechseln
Unmögliches Ereignis:
Fehler 6: Beobachtungsregel vergessen
Der Grundraum hängt davon ab, was beim Zufallsversuch tatsächlich notiert wird.
22. Das Wichtigste auf einen Blick
Grundraum:
Ereignis:
Ein Ereignis enthält diejenigen Ergebnisse, die eine bestimmte Bedingung erfüllen.
Sicheres Ereignis:
Unmögliches Ereignis:
Beim Arbeiten mit Grundraum und Ereignissen:
- Zufallsversuch genau beschreiben,
- Beobachtungsregel festlegen,
- Grundraum vollständig angeben,
- passende Ergebnisse für das Ereignis auswählen,
- prüfen, ob das Ereignis sicher, möglich oder unmöglich ist.