Absolute und relative Häufigkeit
Kompetenzcode: MG 8.3
Wenn ein Zufallsversuch oft wiederholt wird, treten die möglichen Ergebnisse unterschiedlich oft auf.
Beispiel:
Eine Münze wird
Mal geworfen.
Dabei tritt „Kopf“
Mal auf.
Dann können wir zwei Fragen stellen:
- Wie oft ist Kopf aufgetreten?
- Welcher Anteil aller Würfe war Kopf?
Dazu verwenden wir:
- die absolute Häufigkeit,
- die relative Häufigkeit.
In diesem Kapitel lernst du,
- die absolute Häufigkeit eines Ergebnisses zu bestimmen,
- die relative Häufigkeit eines Ergebnisses zu bestimmen,
- relative Häufigkeiten sinnvoll miteinander zu vergleichen.
1. Ausgangspunkt: eine Versuchsreihe
Eine Münze wird zehnmal geworfen.
Die Ergebnisse lauten:
Dabei steht:
und
Wir zählen:
- Kopf tritt -mal auf,
- Zahl tritt -mal auf.
Die Gesamtzahl der Würfe ist:
2. Absolute Häufigkeit eines Ergebnisses bestimmen
Die absolute Häufigkeit gibt an, wie oft ein bestimmtes Ergebnis in einer Versuchsreihe tatsächlich aufgetreten ist.
Für „Kopf“ gilt:
Für „Zahl“ gilt:
Die absolute Häufigkeit ist also eine Anzahl.
3. Absolute Häufigkeit mit einer Strichliste
Bei vielen Wiederholungen hilft eine Strichliste.
Beispiel:
Die Strichliste verhindert, dass ein Ergebnis beim Zählen übersehen oder doppelt gezählt wird.
4. Kontrolle der absoluten Häufigkeiten
Wenn die möglichen Ergebnisse eines Versuchs vollständig erfasst wurden, müssen die absoluten Häufigkeiten zusammen die Zahl aller Durchführungen ergeben.
Hier:
Also:
Beim Münzwurf mit den beiden möglichen Ergebnissen Kopf und Zahl können wir die Kontrolle vollständig ausschreiben:
5. Beispiel mit einem Würfel
Ein Würfel wird zwölfmal geworfen.
Ergebnisfolge:
Gesucht ist die absolute Häufigkeit des Ergebnisses .
Wir zählen:
tritt viermal auf.
Also:
6. Absolute Häufigkeit ist nicht der Ergebniswert
Beim Würfelwurf kann gelten:
Das bedeutet nicht:
Es bedeutet:
Das Ergebnis ist viermal aufgetreten.
Ergebniswert und Häufigkeit sind zwei verschiedene Dinge.
7. Relative Häufigkeit eines Ergebnisses bestimmen
Die absolute Häufigkeit sagt:
Wie oft?
Die relative Häufigkeit sagt:
Welcher Anteil aller Versuche?
Dazu teilen wir die absolute Häufigkeit durch die Gesamtzahl der Versuche:
Dabei ist:
- die absolute Häufigkeit,
- die Zahl aller Durchführungen,
- die relative Häufigkeit.
8. Beispiel zur relativen Häufigkeit
In zehn Münzwürfen tritt Kopf sechsmal auf.
Also:
und
Damit:
Als Prozentzahl:
Also:
Das bedeutet:
In dieser Versuchsreihe waren der Würfe Kopf.
9. Relative Häufigkeit für Zahl
Für Zahl gilt:
Damit:
Kontrolle:
10. Bruch, Dezimalzahl und Prozentzahl
Eine relative Häufigkeit kann auf verschiedene Arten geschrieben werden.
Beispiel:
Alle drei Schreibweisen beschreiben denselben Anteil.
Merke: Relative Häufigkeit ist ein Anteil und liegt zwischen und , beziehungsweise zwischen und .
11. Kontrolle der relativen Häufigkeiten
Beim Münzwurf mit den beiden möglichen Ergebnissen Kopf und Zahl gilt:
Als Prozentwerte:
Beim Münzwurf:
12. Beispiel mit einem Würfel
Ein Würfel wird
Mal geworfen.
Die Zahl tritt
Mal auf.
Dann:
Relative Häufigkeit:
Also:
13. Absolute und relative Häufigkeit unterscheiden
Beispiel:
Die absolute Häufigkeit ist:
und beschreibt die Anzahl.
Die relative Häufigkeit ist:
und beschreibt den Anteil an allen Versuchen.
Diese beiden Angaben dürfen nicht verwechselt werden.
14. Relative Häufigkeiten vergleichen
Relative Häufigkeiten eignen sich besonders gut, wenn Versuchsreihen unterschiedlich lang sind.
Versuch A
Eine Münze wird -mal geworfen.
Kopf tritt -mal auf.
Versuch B
Eine Münze wird -mal geworfen.
Kopf tritt -mal auf.
Obwohl in Versuch B absolut mehr Kopf-Ergebnisse auftreten, ist die relative Häufigkeit in Versuch A größer:
15. Warum absolute Häufigkeiten allein oft nicht reichen
Vergleiche:
- Versuch A: Kopf bei Würfen,
- Versuch B: Kopf bei Würfen.
Nur die absoluten Häufigkeiten:
Das könnte den Eindruck erzeugen, Kopf sei in B „häufiger“.
Aber als Anteil:
und
Damit war Kopf anteilsmäßig in A häufiger.
16. Gleiche relative Häufigkeit bei unterschiedlicher Anzahl
Versuch A:
Dann:
Versuch B:
Dann:
Die absoluten Häufigkeiten sind verschieden:
Die relativen Häufigkeiten sind gleich:
17. Relative Häufigkeiten als Dezimalzahlen vergleichen
Man kann relative Häufigkeiten auch als Dezimalzahlen vergleichen.
Beispiel:
Da
ist die relative Häufigkeit in B größer.
Als Prozentwerte:
18. Unterschied zwischen zwei relativen Häufigkeiten
Gegeben:
Der Unterschied beträgt:
Prozentpunkte.
Man sagt:
Die relative Häufigkeit in A ist um Prozentpunkte höher.
Das ist nicht dasselbe wie eine Erhöhung um .
Für dieses Thema genügt vor allem die sichere Formulierung:
ist größer als .
19. Relative Häufigkeit ist noch keine theoretische Wahrscheinlichkeit
Wenn in einer Versuchsreihe Kopf bei der Würfe auftritt, bedeutet das:
Die beobachtete relative Häufigkeit von Kopf beträgt .
Das bedeutet noch nicht automatisch:
Die Wahrscheinlichkeit für Kopf beträgt genau .
Die relative Häufigkeit beschreibt zunächst die beobachteten Versuchsdaten.
Wie man damit Wahrscheinlichkeiten schätzt, ist das Thema MG 8.4.
Merke: MG 8.3 beschreibt Beobachtungen. MG 8.4 verbindet diese Beobachtungen mit Wahrscheinlichkeitsschätzungen.
20. Kurze Versuchsreihen können stark schwanken
Eine Münze wird viermal geworfen.
Eine mögliche Folge ist:
Dann:
Das ist eine mögliche Versuchsreihe.
Daraus darf man aber noch nicht schließen, dass Kopf bei jedem zukünftigen Wurf auftreten wird.
Kurze Versuchsreihen können starke Schwankungen zeigen.
21. Ergebnisse aus einer Tabelle auswerten
Gegeben:
Zuerst:
Für das Ergebnis :
Für das Ergebnis :
Damit:
Das Ergebnis trat anteilsmäßig häufiger auf als das Ergebnis .
22. Häufigkeit eines Ereignisses
Die gleichen Ideen lassen sich auch auf ein Ereignis anwenden.
Beim Würfelwurf sei:
das Ereignis „gerade Zahl“.
Bei Würfen treten gerade Zahlen insgesamt -mal auf.
Dann ist die absolute Häufigkeit des Ereignisses:
Die relative Häufigkeit ist:
So kann man nicht nur einzelne Ergebnisse, sondern auch zusammengefasste Ereignisse zählen.
23. Typische Fehler
Fehler 1: Ergebniswert mit Häufigkeit verwechseln
bedeutet: Die trat dreimal auf.
Fehler 2: Absolute und relative Häufigkeit verwechseln
Absolute Häufigkeit = Anzahl.
Relative Häufigkeit = Anteil.
Fehler 3: Falsch herum dividieren
Richtig:
Fehler 4: Unterschiedlich lange Versuchsreihen nur mit absoluten Häufigkeiten vergleichen
Für faire Anteilsvergleiche sind relative Häufigkeiten besser geeignet.
Fehler 5: Relative Häufigkeit sofort als exakte Wahrscheinlichkeit behandeln
Relative Häufigkeit beschreibt zunächst die beobachtete Versuchsreihe.
Fehler 6: Prozentwerte ohne Bezug auf die Gesamtzahl nennen
bedeutet immer von einer bestimmten Gesamtzahl .
24. Das Wichtigste auf einen Blick
Absolute Häufigkeit:
Relative Häufigkeit:
Kontrollen, hier für die beiden Ergebnisse Kopf und Zahl vollständig ausgeschrieben:
und
Beim Vergleichen unterschiedlich langer Versuchsreihen:
Relative Häufigkeiten vergleichen, nicht nur absolute Anzahlen.
Wichtig:
Die relative Häufigkeit ist zunächst ein beobachteter Anteil. Erst im nächsten Thema wird sie zur Schätzung einer Wahrscheinlichkeit verwendet.