Laplace-Wahrscheinlichkeit
Kompetenzcode: MG 8.5
Manche Wahrscheinlichkeiten kann man berechnen, ohne zuerst sehr viele Versuche durchzuführen.
Das funktioniert bei Laplace-Versuchen.
Ein Laplace-Versuch ist ein Zufallsversuch, bei dem alle betrachteten Elementarergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
Dann gilt für ein Ereignis :
Kurz:
Dabei bedeutet:
- : Grundraum, also alle möglichen Elementarergebnisse,
- : Ereignis,
- : Anzahl aller möglichen Elementarergebnisse,
- : Anzahl der günstigen Ergebnisse.
In diesem Kapitel lernst du,
- einen Laplace-Versuch zu erkennen,
- günstige Ergebnisse zu bestimmen,
- mögliche Ergebnisse zu bestimmen,
- Laplace-Wahrscheinlichkeiten zu berechnen,
- Wahrscheinlichkeiten im Kontext zu deuten.
1. Wann liegt ein Laplace-Versuch vor?
Bei einem Laplace-Versuch müssen die einzelnen Elementarergebnisse gleich wahrscheinlich sein.
Beispiel:
Ein fairer sechsseitiger Würfel wird einmal geworfen.
Die Elementarergebnisse sind:
Bei einem fairen Würfel hat jede Augenzahl dieselbe Chance.
Deshalb ist der Versuch ein Laplace-Versuch.
2. Faire Münze
Eine faire Münze wird einmal geworfen.
Grundraum:
Beide Elementarergebnisse sind gleich wahrscheinlich.
Also handelt es sich um einen Laplace-Versuch.
Für das Ereignis
gilt:
3. Glücksrad mit gleich großen Sektoren
Ein Glücksrad besitzt vier gleich große Sektoren:
- Rot,
- Blau,
- Grün,
- Gelb.
Wenn jeder Sektor genau gleich groß ist und das Rad fair funktioniert, sind die vier Sektorergebnisse gleich wahrscheinlich.
Dann kann man die Laplace-Regel anwenden.
Zum Beispiel:
4. Wann ist ein Versuch nicht Laplace?
Ein Glücksrad hat drei Sektoren:
- Rot: halber Kreis,
- Blau: Viertelkreis,
- Grün: Viertelkreis.
Die drei Farbergebnisse sind nicht gleich wahrscheinlich.
Rot nimmt die Hälfte des Kreises ein.
Blau und Grün jeweils nur ein Viertel.
Deshalb wäre
falsch.
Die Regel
darf nur verwendet werden, wenn die gezählten Elementarergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
5. Gleich viele Namen bedeuten nicht gleiche Wahrscheinlichkeit
In einem Beutel liegen:
- rote Kugeln,
- blaue Kugeln,
- grüne Kugeln.
Es wird blind eine Kugel gezogen.
Die drei Farben sind nicht gleich wahrscheinlich.
Darum darf man nicht rechnen:
Wenn jedoch jede einzelne Kugel als Elementarergebnis betrachtet wird und jede Kugel gleich wahrscheinlich gezogen wird, gibt es insgesamt:
gleich wahrscheinliche Kugelergebnisse.
Davon sind rot.
Dann:
Merke: Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kategorien, sondern die Anzahl der gleich wahrscheinlichen Elementarergebnisse.
6. Laplace-Versuch erkennen: sichere Checkliste
Prüfe vor jeder Laplace-Rechnung:
1. Ist es ein Zufallsversuch?
Das konkrete Ergebnis steht vorher nicht sicher fest.
2. Kenne ich die möglichen Elementarergebnisse?
Der Grundraum muss vollständig beschreibbar sein.
3. Sind diese Elementarergebnisse gleich wahrscheinlich?
Nur dann darfst du die Laplace-Regel direkt anwenden.
Wenn die Antwort auf die dritte Frage „nein“ ist, ist die einfache Laplace-Formel nicht zulässig.
7. Was bedeutet „günstig“?
In der Wahrscheinlichkeitsrechnung bedeutet günstig nicht „gut“ oder „erwünscht“.
Ein günstiges Ergebnis ist einfach ein Ergebnis, das zum betrachteten Ereignis gehört.
Beispiel:
Würfelereignis : „Augenzahl größer als 4“.
Grundraum:
Zum Ereignis gehören:
Also:
und damit:
Diese zwei Ergebnisse heißen für dieses Ereignis günstige Ergebnisse.
8. Günstige Ergebnisse bestimmen
Gegeben ist ein fairer Würfel.
Ereignis:
„Es fällt eine gerade Zahl.“
Wir prüfen die möglichen Ergebnisse:
Gerade sind:
Damit:
und:
9. Beispiel: Primzahl würfeln
Ereignis:
„Die Augenzahl ist eine Primzahl.“
Grundraum:
Primzahlen unter diesen Ergebnissen sind:
Also:
Damit:
Achtung:
ist keine Primzahl.
10. Beispiel: Zahl kleiner als 5
Ereignis:
„Die Augenzahl ist kleiner als .“
Günstige Ergebnisse:
Also:
und:
Beim Wort „kleiner als“ gehört selbst nicht dazu.
11. Mögliche Ergebnisse bestimmen
Die möglichen Ergebnisse sind alle Elementarergebnisse des Grundraums.
Beim fairen Würfel:
Daher:
Beim fairen Münzwurf:
Daher:
12. Mögliche Ergebnisse vollständig zählen
Bei einer Laplace-Aufgabe ist ein unvollständiger Grundraum besonders gefährlich.
Beispiel:
Eine Karte mit einer Zahl von bis wird zufällig gezogen.
Dann:
Also:
Nicht nur die günstigen Ergebnisse zählen – zuerst muss klar sein, wie viele gleich wahrscheinliche mögliche Ergebnisse es insgesamt gibt.
13. Beispiel mit nummerierten Karten
Es gibt zehn gleichartige Karten mit den Zahlen
Eine Karte wird zufällig gezogen.
Ereignis:
„Die Zahl ist durch teilbar.“
Günstige Ergebnisse:
Also:
Mögliche Ergebnisse:
Damit:
14. Laplace-Wahrscheinlichkeit berechnen
Der sichere Rechenweg lautet:
- Prüfen, ob Laplace vorliegt.
- Grundraum bestimmen.
- Ereignis bestimmen.
- zählen.
- zählen.
- Bruch bilden und bei Bedarf kürzen oder umwandeln.
Formel:
15. Beispiel: gerade Zahl beim Würfel
Grundraum:
Ereignis:
Damit:
Also:
Ergebnis:
16. Beispiel: Zahl größer als 4
Ereignis:
Günstige Ergebnisse:
Mögliche Ergebnisse:
Damit:
Als Prozentzahl:
Also:
17. Beispiel: sichere Wahrscheinlichkeit
Beim Würfel lautet das Ereignis:
„Die Augenzahl liegt zwischen und .“
Dann:
Also:
Damit:
Ein sicheres Ereignis besitzt die Wahrscheinlichkeit:
18. Beispiel: unmögliche Wahrscheinlichkeit
Ereignis:
„Beim normalen Würfel fällt eine .“
Dann:
Also:
Damit:
Ein unmögliches Ereignis besitzt die Wahrscheinlichkeit:
19. Wahrscheinlichkeiten liegen zwischen 0 und 1
Für jede Wahrscheinlichkeit gilt:
Als Prozentzahl:
Wenn du zum Beispiel
oder
erhältst, ist sicher ein Fehler passiert.
20. Bruch, Dezimalzahl und Prozent
Wahrscheinlichkeiten können in verschiedenen Formen angegeben werden.
Beispiel:
Oder:
Wenn keine bestimmte Form verlangt wird, ist ein vollständig gekürzter Bruch oft besonders exakt.
Bei Dezimalzahlen mit unendlich vielen Nachkommastellen muss gerundet werden.
21. Laplace-Wahrscheinlichkeit im Kontext deuten
Angenommen:
Dann bedeutet das:
Bei diesem Laplace-Modell besitzt das Ereignis eine Chance von .
Oder:
Bei sehr vielen Wiederholungen unter denselben Modellbedingungen würde man erwarten, dass langfristig ungefähr bei einem Viertel der Versuche eintritt.
Das bedeutet nicht:
In jeweils vier Versuchen tritt sicher genau einmal ein.
22. Wahrscheinlichkeit und einzelner Versuch
Bei einem fairen Würfel gilt:
Das heißt nicht, dass nach fünf Würfen ohne beim sechsten Wurf sicher eine kommen muss.
Jeder einzelne Wurf bleibt zufällig.
Die Wahrscheinlichkeit beschreibt die Chance innerhalb des Modells.
Sie legt keine feste Reihenfolge fest.
23. Wahrscheinlichkeit vergleichen
Gegeben sind zwei Ereignisse beim fairen Würfel:
Dann:
Da:
ist wahrscheinlicher als .
Eine passende Aussage lautet:
Beim fairen Würfel ist eine Augenzahl von mindestens wahrscheinlicher als genau eine .
24. Theoretische und experimentelle Wahrscheinlichkeit vergleichen
MG 8.4:
Eine Wahrscheinlichkeit wurde aus relativen Häufigkeiten geschätzt.
MG 8.5:
Bei einem Laplace-Modell wird die Wahrscheinlichkeit aus gleich wahrscheinlichen Elementarergebnissen berechnet.
Beispiel fairer Würfel:
Theoretisch:
In einer konkreten Versuchsreihe könnte die relative Häufigkeit der aber zum Beispiel
betragen.
Das ist kein Widerspruch.
Die relative Häufigkeit kann schwanken.
25. Typische Fehler
Fehler 1: Laplace-Regel ohne Gleichwahrscheinlichkeit verwenden
Die Formel
gilt nur, wenn die gezählten Elementarergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
Fehler 2: Kategorien statt Elementarergebnisse zählen
Bei roten, blauen und grünen Kugeln sind nicht automatisch drei gleich wahrscheinliche Farbergebnisse vorhanden.
Fehler 3: Günstig mit „erwünscht“ verwechseln
Günstig bedeutet nur:
gehört zum betrachteten Ereignis.
Fehler 4: Grundraum unvollständig bestimmen
Alle möglichen Elementarergebnisse müssen berücksichtigt werden.
Fehler 5: Zähler und Nenner vertauschen
Richtig:
Fehler 6: Wahrscheinlichkeit größer als 1 erhalten
Es muss gelten:
Fehler 7: Wahrscheinlichkeit als Garantie deuten
Auch ein sehr wahrscheinliches Ereignis muss beim nächsten Versuch nicht eintreten.
26. Das Wichtigste auf einen Blick
Laplace-Versuch:
Grundraum:
Ereignis:
Laplace-Wahrscheinlichkeit:
Kontrolle:
beziehungsweise:
Der wichtigste Arbeitsplan:
- Laplace-Bedingung prüfen.
- Mögliche Ergebnisse bestimmen.
- Günstige Ergebnisse bestimmen.
- Zählen.
- rechnen.