Statistische Tabellen und Grafiken helfen dabei, viele Daten übersichtlich darzustellen. Damit eine Aussage stimmt, müssen Werte, Achsen, Skalen, Einheiten und der Kontext sorgfältig gelesen werden.
Zentrales Ziel: Daten aus Tabellen und Grafiken korrekt ablesen, Häufigkeiten berechnen, Darstellungen vergleichen und mögliche Verzerrungen erkennen.
1. Grundbegriffe
2. Häufigkeitstabellen lesen
In einer Klasse wurden Personen nach ihrem Schulweg gefragt.
Aus der Tabelle kann man direkt ablesen:
- Der Bus wird am häufigsten verwendet.
- Das Auto wird am seltensten verwendet.
- Insgesamt wurden Personen befragt.
- Fahrrad und Bus umfassen zusammen Personen.
3. Absolute und relative Häufigkeit
Die relative Häufigkeit wird berechnet mit:
Dabei bedeutet:
- : die absolute Häufigkeit der Ausprägung , also die Anzahl der passenden Werte,
- : der Stichprobenumfang, also die Gesamtanzahl aller beobachteten Werte.
Schülernah kann man sich dieselbe Formel so merken:
Dabei bedeutet:
- Passend: Wie viele Werte gehören zur gesuchten Kategorie?
- Alle: Wie viele Werte wurden insgesamt beobachtet?
Für das Fahrrad gilt:
Kontrollen
Die absoluten Häufigkeiten müssen zusammen den Stichprobenumfang ergeben:
Die relativen Häufigkeiten müssen zusammen beziehungsweise ergeben:
Von der relativen zur absoluten Häufigkeit
Sind der Anteil und die Gesamtanzahl bekannt, gilt:
Beispiel:
4. Achsen, Einheiten und Skalen
Vor dem Ablesen einer Grafik werden immer diese Fragen geklärt:
- Was zeigt der Titel?
- Welche Größe steht auf der waagrechten Achse?
- Welche Größe steht auf der senkrechten Achse?
- Welche Einheit wird verwendet?
- Bei welchem Wert beginnt die Achse?
- Wie groß ist ein Skalenschritt?
- Sind die Abstände gleichmäßig?
Ein Wert wird aus der Anzahl der Skalenschritte und dem Wert pro Schritt bestimmt.
Beispiel: Vier Skalenschritte zu je Einheiten ergeben:
5. Säulen- und Balkendiagramme
Säulen- und Balkendiagramme eignen sich besonders für Kategorien.
- Beim Säulendiagramm stehen die Säulen senkrecht.
- Beim Balkendiagramm liegen die Balken waagrecht.
- Die Höhe oder Länge stellt den Wert dar.
- Die Breite der Säulen darf keinen zusätzlichen Wert vortäuschen.
Beim Ablesen können Maximum, Minimum, Unterschied und Anteil bestimmt werden.
Beispiel:
Der Bus wurde von zwei Personen mehr gewählt als das Fahrrad.
6. Liniendiagramme
Liniendiagramme eignen sich vor allem für zeitliche oder geordnete Entwicklungen.
Beim Lesen wird geprüft:
- Wo steigt die Linie?
- Wo fällt sie?
- Wo liegt das Maximum?
- Wo liegt das Minimum?
- Zwischen welchen Messpunkten ist die Veränderung am stärksten?
Wichtig: Werden ungeordnete Kategorien verbunden, kann die Linie einen Zusammenhang vortäuschen, der nicht existiert.
7. Kreisdiagramme
Ein Kreisdiagramm zeigt Anteile eines Ganzen.
Für einen Anteil gilt:
Beispiel für :
Alle Anteile müssen zusammen und alle Winkel zusammen ergeben.
8. Histogramm und Säulendiagramm unterscheiden
Bei unterschiedlich breiten Klassen kann die Häufigkeitsdichte verwendet werden:
Dadurch bleibt die Balkenfläche proportional zur Häufigkeit.
9. Boxplots lesen
Ein Boxplot zeigt fünf wichtige Werte:
- Minimum,
- erstes Quartil ,
- Median,
- drittes Quartil ,
- Maximum.
Die mittleren der Daten liegen zwischen und .
Die Spannweite lautet:
Der Interquartilsabstand lautet:
10. Punktdiagramme lesen
Ein Punktdiagramm zeigt Wertepaare .
Beim Lesen wird untersucht, ob:
- beide Größen gemeinsam steigen,
- eine Größe steigt, während die andere fällt,
- kein klarer Zusammenhang erkennbar ist,
- einzelne Punkte deutlich von den übrigen abweichen.
Ein sichtbarer Zusammenhang beweist nicht automatisch eine Ursache.
Stängel-Blatt-Diagramme lesen
Ein Stängel-Blatt-Diagramm ordnet Zahlen und lässt gleichzeitig die ursprünglichen Werte erkennen.
Die Legende
zeigt, wie Stängel und Blatt zusammengesetzt werden. Im Beispiel sind die Stängel die Zehnerstellen und die Blätter die Einerstellen.
Beim Lesen wird geprüft:
- Welche Einheit verwendet die Legende?
- Sind die Blätter innerhalb jedes Stängels sortiert?
- Wie viele Werte enthält die Darstellung?
- Was sind Minimum, Maximum oder ein bestimmter Einzelwert?
Prozentstreifen lesen
Ein Prozentstreifen stellt ein Ganzes als Strecke von bis dar.
Die Länge jedes Abschnitts entspricht seinem Anteil. Beim Lesen werden Abschnittsgrenzen und Beschriftungen kontrolliert. Alle Anteile müssen zusammen ergeben.
11. Werte vergleichen
Je nach Frage werden unterschiedliche Vergleiche benötigt.
Absolute Differenz
Anteil
Verhältnis
Prozentpunkte
Steigt ein Anteil von auf , beträgt die Zunahme:
Die relative Zunahme beträgt dagegen:
Prozent und Prozentpunkte dürfen nicht verwechselt werden.
12. Irreführende Grafiken erkennen
Eine Grafik kann rechnerisch richtige Werte zeigen und trotzdem einen falschen Eindruck erzeugen.
Typische Warnzeichen sind:
- eine abgeschnittene Achse,
- ungleichmäßige Skalenschritte,
- fehlende Einheiten,
- fehlender Zeitraum,
- fehlende Quelle,
- fehlende Stichprobengröße,
- unterschiedlich breite Säulen,
- übertriebene dreidimensionale Darstellung,
- absolute Werte bei unterschiedlich großen Gruppen.
Beispiel: Die Werte und unterscheiden sich nur um:
Beginnt die Achse erst bei , wirkt dieser kleine Unterschied optisch sehr groß.
13. Darstellungen miteinander verbinden
Dieselben Daten können als Tabelle, Säulendiagramm, Kreisdiagramm oder Text dargestellt werden.
Eine vollständige Auswertung verbindet mindestens zwei Darstellungen:
- Wert korrekt ablesen,
- Rechnung nachvollziehbar angeben,
- Ergebnis im Kontext deuten.
14. Typische Fehler
Absolute und relative Häufigkeit verwechselt
ist eine Anzahl. ist ein Anteil.
Gesamtanzahl falsch bestimmt
Alle absoluten Häufigkeiten müssen addiert werden:
Skala nicht geprüft
Ein Teilstrich bedeutet nicht automatisch eine Einheit.
Prozent mit Prozentpunkten verwechselt
Von auf sind es Prozentpunkte, nicht relative Zunahme.
Liniendiagramm für ungeordnete Kategorien verwendet
Eine Verbindungslinie kann eine Reihenfolge oder Entwicklung vortäuschen.
Aus der Grafik zu viel geschlossen
Eine Grafik zeigt nur die enthaltenen Daten. Ursache, Zukunft oder nicht erhobene Gruppen dürfen nicht ohne Begründung ergänzt werden.
15. Arbeitsablauf
Zusammenfassung
- Tabellen und Grafiken müssen mit Titel, Achsen, Skalen und Einheiten gelesen werden.
- Die absolute Häufigkeit ist eine Anzahl.
- Die relative Häufigkeit lautet .