Zwischen Wertetabelle und Funktionsgraph wechseln
Kompetenzcode: FA 1.3
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Zwischen tabellarischen und grafischen Darstellungen funktionaler Zusammenhänge wechseln können.
Kernidee: Eine Tabellenzeile und ein Punkt im Koordinatensystem beschreiben genau dasselbe Wertepaar.
1. Dieselbe in zwei Darstellungen
Eine Wertetabelle zeigt ausgewählte Wertepaare einer Funktion:
Im Koordinatensystem werden daraus die Punkte
Die Tabelle und der Graph widersprechen einander nicht. Sie zeigen dieselbe Zuordnung auf unterschiedliche Weise:
- Die Tabelle liefert einzelne Werte übersichtlich und genau.
- Der Graph zeigt Lage, Verlauf und Veränderungen anschaulich.
- Das Wertepaar verbindet beide Darstellungen.
Reihenfolge: Im Punkt steht zuerst die Eingabe , danach der .
2. Von der Tabelle zum Graphen
Gehe für jede Tabellenzeile gleich vor.
Schritt 1: Wertepaar bilden
Aus
wird das Wertepaar
Schritt 2: Vom Ursprung aus gehen
- zuerst waagrecht zum -Wert,
- danach senkrecht zum -Wert.
Schritt 3: Punkt markieren
Der Punkt liegt zwei Einheiten rechts und fünf Einheiten oberhalb des Ursprungs.
Schritt 4: Alle Zeilen übertragen
Erst wenn alle Punkte eingezeichnet sind, wird beurteilt, ob und wie sie verbunden werden dürfen.
Kontrolle: Lies einen eingezeichneten Punkt wieder an beiden Achsen ab. Er muss genau zur ursprünglichen Tabellenzeile passen.
3. Achsen und Skalierung vorbereiten
Vor dem Einzeichnen müssen beide Achsen eindeutig festgelegt werden.
Waagrechte Achse
Sie zeigt normalerweise die Eingabe beziehungsweise das Argument .
Senkrechte Achse
Sie zeigt den Funktionswert .
Skalierung
Die Abstände müssen zu den vorkommenden Werten passen. Dabei müssen nicht beide Achsen dieselbe Schrittweite besitzen.
Beispiel:
- -Achse: ein Kästchen entspricht Zeiteinheit,
- -Achse: ein Kästchen entspricht Euro.
Das ist erlaubt, solange die Skalierung klar beschriftet und gleichmäßig ist.
Einheiten
Bei Sachkontexten gehören Größen und Einheiten an die Achsen, zum Beispiel:
- Zeit in Stunden,
- Temperatur in Grad Celsius.
Typischer Fehler: Punkte werden in gleich großen Abständen eingezeichnet, obwohl die -Werte ungleich weit auseinanderliegen.
4. Punkte verbinden oder einzeln lassen
Nicht jede Punktmenge darf automatisch durch eine Linie verbunden werden.
Kontinuierlicher Zusammenhang
Zwischenwerte sind sinnvoll.
Beispiele:
- Temperatur im Verlauf der Zeit,
- Füllhöhe eines Behälters,
- zurückgelegter Weg.
Hier kann ein zusammenhängender Verlauf sinnvoll sein.
Diskreter Zusammenhang
Nur einzelne Eingaben sind möglich.
Beispiele:
- Anzahl verkaufter Karten pro Tag,
- Zahl der Kinder in einer Familie,
- Ergebnis nach jedem Spieltag.
Hier bleiben die Punkte einzeln.
Entscheidende Frage: Sind auch Eingaben zwischen zwei Tabellenwerten sinnvoll?
Nicht einfach „gerade verbinden“
Selbst bei einem kontinuierlichen Zusammenhang ist nicht automatisch bekannt, ob der tatsächliche Graph zwischen zwei Punkten geradlinig verläuft. Eine Verbindung ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Kontext oder eine zusätzliche Information das erlaubt.
5. Vom Graphen zur Tabelle
Beim Ablesen wird die Richtung umgekehrt.
- Wähle den gewünschten -Wert auf der waagrechten Achse.
- Gehe senkrecht bis zum Graphen.
- Gehe vom Schnittpunkt waagrecht zur senkrechten Achse.
- Lies den zugehörigen Funktionswert ab.
- Trage das Wertepaar in die Tabelle ein.
Beispiel:
Das zugehörige Wertepaar lautet näherungsweise
6. Exakte und näherungsweise Werte unterscheiden
Tabellenwerte können exakt angegeben sein. Aus einem gezeichneten Graphen werden Werte dagegen oft nur näherungsweise abgelesen.
Exakter Wert
Ein markierter Punkt liegt eindeutig auf einem Gitterpunkt:
Näherungswert
Der Graph liegt zwischen zwei Gitterlinien:
Verwende dann das Zeichen
und gib nur so viele Dezimalstellen an, wie die Zeichnung erlaubt.
Ablesegenauigkeit: Ein dicker Graph, eine grobe Skalierung oder ein kleines Bild begrenzen die Genauigkeit. Mehr Nachkommastellen machen den Wert nicht genauer.
7. Werte zwischen Stützpunkten
Eine Tabelle enthält häufig nur ausgewählte Stützpunkte.
Interpolation
Ein Wert wird zwischen bekannten Eingaben geschätzt.
Beispiel: Aus Werten bei und wird ein Wert bei abgeschätzt.
Extrapolation
Ein Wert wird außerhalb des dargestellten oder gemessenen Bereichs geschätzt.
Extrapolation ist riskanter, weil nicht sicher ist, ob der bisherige Verlauf weitergeht.
Wichtig: Aus wenigen Tabellenpunkten ist der genaue Verlauf zwischen den Punkten im Allgemeinen nicht eindeutig bestimmt.
Mehrere verschiedene Funktionsgraphen können durch dieselben endlich vielen Punkte verlaufen.
8. Graphen im Kontext lesen
Eine vollständige Deutung nennt nicht nur Zahlen, sondern auch Bezug und Einheit.
Beispiel:
Vollständige Deutung:
Sechs Stunden nach Beginn beträgt die Temperatur ungefähr .
Beachte dabei:
- Welche Größe steht auf der -Achse?
- Welche Größe steht auf der -Achse?
- Welche Einheiten werden verwendet?
- Welche Eingaben sind im Kontext zulässig?
- Ist der abgelesene Wert exakt oder näherungsweise?
9. Typische Fehler
Fehler 1: Koordinaten vertauschen
Aus und wird fälschlich .
Richtig: .
Fehler 2: Ungleichmäßige Werte gleichmäßig verteilen
Die Werte , , , dürfen auf der Achse nicht in gleichen Abständen stehen.
Fehler 3: Achsen nicht beschriften
Ohne Größe, Einheit und Skalierung ist ein Graph nicht eindeutig lesbar.
Fehler 4: Alle Punkte verbinden
Bei diskreten Eingaben entstehen dadurch nicht vorhandene Zwischenwerte.
Fehler 5: Zu viele Nachkommastellen angeben
Ein grob abgelesener Wert wie täuscht Genauigkeit vor.
Fehler 6: Aus wenigen Punkten einen eindeutigen Verlauf behaupten
Eine Tabelle allein legt den Verlauf zwischen den Stützpunkten nicht immer fest.
Fehler 7: Beim Ablesen waagrecht beginnen
Um zu bestimmen, beginnt man beim -Wert und geht zuerst senkrecht zum Graphen.
10. Sichere Vorgehensweisen
Tabelle → Graph
- Achsen mit Größen und Einheiten beschriften.
- Passende gleichmäßige Skalierungen wählen.
- Jede Tabellenzeile als notieren.
- Punkte sorgfältig eintragen.
- Kontext prüfen: verbinden oder einzeln lassen?
- Punkte durch Rückablesen kontrollieren.
Graph → Tabelle
- Gewünschte -Werte festlegen.
- Vom -Wert senkrecht zum Graphen gehen.
- Waagrecht zur -Achse gehen.
- Funktionswert ablesen.
- Exakt oder näherungsweise kennzeichnen.
- Einheit und Kontext ergänzen.
11. Kurz zusammengefasst
- Eine Tabellenzeile und ein Punkt beschreiben dasselbe Wertepaar.
- Im Punkt steht zuerst , dann .
- Achsen, Skalierung und Einheiten müssen eindeutig sein.
- Punkte werden nur verbunden, wenn Zwischenwerte im Modell sinnvoll sind.
- Beim Ablesen beginnt man auf der -Achse und geht senkrecht zum Graphen.
Kern der Kompetenz FA 1.3: Informationen sicher zwischen Wertetabelle und Funktionsgraph übertragen und dabei Kontext, Skalierung und Ablesegenauigkeit beachten.