Tabellen und Graphen von Polynomfunktionen
Kompetenzcode: FA 4.2
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Bei Polynomfunktionen müssen Informationen sicher zwischen
übertragen werden.
Als Erweiterung kann aus mehreren gegebenen Punkten auch eine passende Polynomgleichung bestimmt werden:
Leitidee: Jede Darstellung zeigt dieselben Wertepaare, aber auf eine andere Art.
Orientierung und Lernweg
Die Arbeit mit Polynomfunktionen beginnt beim sicheren Wechsel zwischen Tabelle und Graph:
- Eingabe- und Ausgabewerte unterscheiden.
- Wertepaare korrekt lesen und bilden.
- Achsen, Einheiten und Skalierung festlegen.
- Tabellenpunkte eintragen und einen plausiblen glatten Verlauf zeichnen.
- Werte aus einem Graphen ablesen und die Genauigkeit angeben.
- Tabelle und Graph gegenseitig kontrollieren.
Die spätere Bestimmung einer Polynomgleichung aus mehreren Punkten baut auf diesem Darstellungswechsel auf und wird als eigener Zusatz behandelt.
1. Eingabe und Ausgabe sicher unterscheiden
Ein Wertepaar besitzt die Form
In einer Tabelle steht meist
und daraus entstehen die Punkte
Merksatz: Die erste Tabellenzeile liefert die -Koordinate, die zweite Zeile die -Koordinate.
2. Von der Tabelle zum Graphen
Beispiel
Gegeben ist die Tabelle:
Daraus entstehen die Punkte
Vorgehen
- Wertepaare bilden.
- Geeignete Skalierung wählen.
- Achsen mit Größen und Einheiten beschriften.
- Alle Punkte exakt eintragen.
- Punkte mit einem glatten, zur Polynomfunktion passenden Verlauf verbinden.
- Den dargestellten Bereich kontrollieren.
Achtung: Tabellenpunkte werden bei einer Polynomfunktion nicht automatisch mit geraden Strecken verbunden. Der Graph verläuft glatt.
3. Eine geeignete Skalierung wählen
Die Skalierung soll alle wichtigen Punkte gut sichtbar machen.
Ungünstig
Eine Einheit entspricht einem sehr großen Abstand. Dann liegen die Punkte zu weit auseinander oder außerhalb des Fensters.
Ebenfalls ungünstig
Eine Einheit entspricht einem sehr kleinen Abstand. Dann liegen alle Punkte eng zusammen und der Verlauf ist kaum erkennbar.
Hilfreiche Fragen
- Welche kleinsten und größten -Werte kommen vor?
- Welche kleinsten und größten kommen vor?
- Muss der Ursprung sichtbar sein?
- Sind Einheiten angegeben?
- Müssen oder Extrempunkte besonders gut ablesbar sein?
Merksatz: Die Skalierung muss zur Tabelle passen – nicht die Tabelle zur Skalierung.
4. Von einem Graphen zur Tabelle
Beim Ablesen aus einem Graphen wird zuerst ein Argumentwert gewählt.
Besonders geeignete Punkte
Für eine Tabelle wählt man bevorzugt:
- Nullstellen,
- den -Achsenabschnitt,
- Hochpunkte,
- Tiefpunkte,
- gut erkennbare Gitterpunkte,
- Randpunkte des dargestellten Bereichs.
5. Zwischenwerte vorsichtig interpretieren
Eine Tabelle zeigt nur einzelne Stützpunkte.
Zwischen zwei Tabellenwerten kann ein Polynomgraph
- steigen,
- fallen,
- eine Nullstelle besitzen,
- einen Hoch- oder Tiefpunkt besitzen,
- seine Krümmung verändern.
Daher darf man aus zwei Tabellenpunkten nicht automatisch auf einen geradlinigen Verlauf schließen.
Wichtig: Eine Tabelle ist eine Auswahl von Punkten, nicht der vollständige Graph.
6. Charakteristische Punkte verwenden
Ein Graph wird besonders verständlich, wenn charakteristische Punkte in die Tabelle aufgenommen werden.
Nullstelle
-Achsenabschnitt
Hochpunkt
Tiefpunkt
Diese Punkte helfen beim Zeichnen und beim Kontrollieren einer Skizze.
7. Arbeitsplan: Tabelle in Graph umwandeln
- Tabellenüberschrift und Einheiten lesen.
- Wertepaare bilden.
- Wertebereich bestimmen.
- Achsenskalierung festlegen.
- Koordinatensystem beschriften.
- Punkte exakt eintragen.
- Nach charakteristischen Punkten suchen.
- Einen glatten Polynomverlauf zeichnen.
- Prüfen, ob alle Punkte auf dem Graphen liegen.
- Graph im Kontext beschriften.
8. Arbeitsplan: Graph in Tabelle umwandeln
- Gewünschte oder geeignete -Werte auswählen.
- Senkrecht zum Graphen gehen.
- Funktionswert waagrecht ablesen.
- Wertepaar notieren.
- Exakte und näherungsweise Werte kennzeichnen.
- Nullstellen und Extrempunkte bevorzugt aufnehmen.
- Einheit und dargestellten Bereich beachten.
- Tabelle nach steigenden -Werten ordnen.
- Werte durch erneutes Ablesen kontrollieren.
- Unsichere Werte nicht mit zu vielen Dezimalstellen angeben.
9. Zusatz: Eine Polynomgleichung aus mehreren Punkten bestimmen
Dieser Zusatz setzt voraus, dass Tabellenwerte, Punkte, Skalierung und Graphverlauf bereits sicher miteinander verbunden werden können.
Dieser Abschnitt ist anspruchsvoller. Er gehört als Aufbau zum Darstellungswechsel:
10. Wie viele Bedingungen werden benötigt?
Eine Polynomfunktion vom Grad besitzt im allgemeinen Ansatz unbekannte :
Daher werden im Allgemeinen unabhängige Bedingungen benötigt.
11. Quadratische Funktion aus drei Punkten
Gegeben sind:
Gesucht ist eine quadratische Funktion.
Schritt 1: Ansatz
Die unbekannten Bestandteile sind:
Schritt 2: Jeden Punkt einsetzen
Für einen Punkt
gilt:
Punkt
Punkt
Punkt
Damit entsteht das Gleichungssystem:
12. Gleichungssystem mit dem CAS lösen
Das Gleichungssystem kann händisch gelöst werden. Bei mehreren Koeffizienten ist das jedoch oft umständlich und zeitintensiv.
Empfehlung: Ansatz und Gleichungen selbst aufstellen, das lineare Gleichungssystem anschließend mit dem CAS lösen.
Eine mögliche CAS-Eingabe lautet:
Löse(
{
a - b + c = 6,
a + b + c = 2,
4a + 2b + c = 3
},
{a, b, c}
)
Das CAS liefert:
Schritt 3: Koeffizienten einsetzen
CAS-Regel: Das CAS löst das System. Die mathematische Arbeit davor und danach bleibt notwendig.
13. Rücksubstitution als Probe
Alle gegebenen Punkte müssen die gefundene Gleichung erfüllen.
Punkt
Punkt
Punkt
Alle drei Punkte liegen auf dem Graphen.
14. Typische Fehler beim Gleichungssystem
- Einen Punkt als einsetzen.
- Beim Quadrieren einer negativen Zahl die Klammern vergessen.
- Für drei unbekannte Koeffizienten nur zwei Gleichungen aufstellen.
- I, II und III nicht übersichtlich trennen.
- Im CAS andere Variablen verwenden als im Ansatz.
- Das CAS-Ergebnis ungeprüft übernehmen.
- Koeffizienten nicht in den Ansatz einsetzen.
- Keine Rücksubstitution durchführen.
- Einen höheren Grad wählen, obwohl ein einfacherer Ansatz verlangt ist.
15. Was das CAS übernimmt – und was nicht
Das CAS übernimmt
Die lernende Person übernimmt
16. Typische Fehler beim Darstellungswechsel
- - und -Werte vertauschen.
- Achsen ungleichmäßig skalieren.
- Einheiten nicht anschreiben.
- Tabellenpunkte mit einem Polygonzug verbinden.
- Zwischenwerte als sicher ansehen, obwohl sie nur geschätzt sind.
- Ein ungefähr abgelesenes Ergebnis mit statt mit notieren.
- Charakteristische Punkte übersehen.
- Einen zu kleinen Graphenausschnitt wählen.
- Aus wenigen Tabellenpunkten zu viel über den gesamten Verlauf folgern.
17. Zusammenfassung
Tabelle Graph
Graph Tabelle
Punkte Gleichung
Kontrollfrage: Habe ich die Wertepaare korrekt übertragen, die Genauigkeit passend angegeben und eine gefundene Gleichung durch alle Punkte geprüft?