Typische Verläufe von Polynomfunktionen
Kompetenzcode: FA 4.1
Bereich: Funktionale Abhängigkeiten
Eine Polynomfunktion hat die Form
mit
Der höchste vorkommende ist der Grad der Polynomfunktion. Der heißt Leitkoeffizient.
Leitidee: Grad und Leitkoeffizient bestimmen, wohin die beiden Äste des Graphen für große positive und negative -Werte zeigen.
1. Woran erkennt man eine Polynomfunktion?
Bei einer Polynomfunktion kommen nur nichtnegative ganze Exponenten vor:
Beispiele:
Keine Polynomfunktionen sind zum Beispiel:
Typische Polynomgraphen sind
- zusammenhängend,
- glatt,
- ohne Sprünge,
- ohne Lücken,
- ohne senkrechte Asymptoten.
Diese Merkmale sind eine gute Erkennungshilfe. Für eine sichere Zuordnung braucht man zusätzlich Informationen über , Grad oder Endverhalten.
2. Grad und Leitkoeffizient bestimmen
Bei
ist der höchste Exponent
Der Leitkoeffizient lautet
Terme müssen gegebenenfalls zuerst geordnet und zusammengefasst werden.
Beispiel
Gleichartige Terme zusammenfassen:
Daher gilt:
3. Die wichtigste Astregel
Für große Beträge von dominiert der Leitterm
Die niedrigeren Potenzterme beeinflussen zwar Hügel, Täler, Nullstellen und Wendungen, aber nicht das grundsätzliche Endverhalten.
Gerader Grad
Bei geradem Grad zeigen beide Äste in dieselbe Richtung.
Ungerader Grad
Bei ungeradem Grad zeigen die beiden Äste in entgegengesetzte Richtungen.
Vorzeichen des Leitkoeffizienten
- : Der rechte Ast zeigt nach oben.
- : Der rechte Ast zeigt nach unten.
4. Die vier Fälle des Endverhaltens
Merkhilfe
Gerader Grad: gleiche Richtung.
Ungerader Grad: unterschiedliche Richtungen.
Der rechte Ast verrät das Vorzeichen des Leitkoeffizienten.
5. Typische Verläufe der Grade 0 bis 4
Grad 0
Der Graph ist eine waagrechte Gerade.
Grad 1
Der Graph ist eine nicht waagrechte Gerade.
Grad 2
Ein typischer Graph ist eine Parabel. Beide Äste zeigen in dieselbe Richtung.
Grad 3
Ein typischer Graph ist S-förmig oder besitzt einen Hoch- und einen Tiefpunkt. Die Äste zeigen in entgegengesetzte Richtungen.
Grad 4
Ein typischer Graph kann W- oder M-förmig sein. Beide Äste zeigen in dieselbe Richtung.
Wichtig: Ein Grad legt nicht einen einzigen Graphen fest. Eine Funktion vierten Grades muss nicht immer genau wie ein W aussehen. Sicher sind vor allem Endverhalten und obere Grenzen für charakteristische Stellen.
6. Tipp: Grad an Hügeln und Tälern eingrenzen
Im Alltag kann man Hoch- und Tiefpunkte als Hügel und Täler bezeichnen.
Für eine Polynomfunktion vom Grad gilt:
Sieht man Extremstellen, dann folgt:
Beispiele
Ein sichtbarer Hügel oder ein sichtbares Tal:
Zwei Extremstellen:
Drei Extremstellen:
Achtung: Die Anzahl der Hügel und Täler liefert meistens nur einen Mindestgrad. Ein Graph mit einer Extremstelle kann zum Beispiel Grad , , oder höher besitzen.
7. Aus einem Graphen den Grad bestimmen
In konkreten Aufgaben wird häufig zusätzlich ein maximal möglicher Grad angegeben, zum Beispiel:
Dann kann man Endverhalten und Extremstellen kombinieren.
Beispielaufgabe
Der abgebildete Graph gehört zu einer Polynomfunktion mit
Bestimme den Grad und das Vorzeichen des Leitkoeffizienten.
Schritt 1: Äste vergleichen
Beide Äste zeigen nach oben.
Schritt 2: Hügel und Täler zählen
Der Graph besitzt drei Extremstellen: zwei Tiefpunkte und einen Hochpunkt.
Schritt 3: Zusatzinformation verwenden
Es gilt:
Somit:
Schritt 4: Leitkoeffizienten deuten
Der rechte Ast zeigt nach oben.
8. Ein zweites Zuordnungsbeispiel
Ein Graph besitzt zwei Extremstellen. Sein linker Ast zeigt nach oben und sein rechter Ast nach unten. Zusätzlich gilt:
Die Äste zeigen in entgegengesetzte Richtungen:
Zwei Extremstellen bedeuten:
Unter den ungeraden Graden bis bleibt nur:
Der rechte Ast zeigt nach unten:
9. Was man aus einem Graphen sicher und nicht sicher erkennt
Sicher erkennbar
Bei ausreichend groß dargestelltem Bereich kann man häufig erkennen:
- gleiche oder unterschiedliche Richtung der Äste,
- Vorzeichen des Leitkoeffizienten,
- Mindestgrad aus sichtbaren Extremstellen,
- ob der Graph glatt und zusammenhängend verläuft.
Nicht immer sicher erkennbar
Ohne Zusatzinformation erkennt man nicht zwingend:
- den exakten Grad,
- alle Nullstellen,
- alle Extremstellen außerhalb des dargestellten Bereichs,
- die exakten Koeffizienten,
- ob ein sehr ähnlich aussehender Ausschnitt zu einem höheren Grad gehört.
Graphen zeigen immer nur den dargestellten Ausschnitt.
10. Typische Verwechslungen
Grad und Anzahl der Terme
Die Zahl der Terme ist nicht der Grad.
besitzt nur zwei Terme, aber Grad .
Grad und Anzahl der Nullstellen
Eine Polynomfunktion vom Grad hat höchstens reelle Nullstellen. Sie muss nicht genau reelle Nullstellen besitzen.
Exakter Grad aus einer Extremstelle
Eine Extremstelle bedeutet nur:
Sie beweist nicht automatisch Grad .
Symmetrie und Grad
Ein gerader Grad bedeutet nicht automatisch Achsensymmetrie. Ein ungerader Grad bedeutet nicht automatisch Punktsymmetrie. Die Parität bestimmt das Endverhalten, nicht zwingend die Symmetrie des gesamten Graphen.
11. Gleichung und Endverhalten verbinden
Beispiel 1
Grad:
Leitkoeffizient:
Daher zeigen beide Äste nach oben.
Beispiel 2
Grad:
Leitkoeffizient:
Daher zeigt der linke Ast nach oben und der rechte Ast nach unten.
Beispiel 3
Grad:
Leitkoeffizient:
Daher zeigen beide Äste nach unten.
12. Polynomfunktion oder nicht?
Polynomfunktion
Alle Exponenten sind nichtnegative ganze Zahlen.
Keine Polynomfunktion
Der Term
besitzt einen negativen Exponenten.
Keine Polynomfunktion
Der Term
besitzt keinen ganzzahligen Exponenten.
13. Typische Fehler
- Die Anzahl der Terme als Grad angeben.
- Nur auf die Mitte des Graphen schauen und die Äste ignorieren.
- „Beide Äste oben“ mit Achsensymmetrie verwechseln.
- Aus einem Hügel sofort auf Grad schließen.
- Aus drei Extremstellen nur „Grad ungefähr vier“ statt folgern.
- Das Vorzeichen des Leitkoeffizienten am linken statt am rechten Ast bestimmen.
- Einen Graphen mit Sprung oder senkrechter Asymptote als typischen Polynomgraphen einordnen.
- Ohne Zusatzinformation einen exakten Grad behaupten.
- Einen nicht vollständig dargestellten Graphenausschnitt überinterpretieren.
14. Arbeitsplan zum Bestimmen eines möglichen Grades
- Prüfen, ob ein glatter und zusammenhängender Polynomgraph plausibel ist.
- Beide Äste für große betrachten.
- Gleiche Richtung bedeutet gerader Grad.
- Unterschiedliche Richtungen bedeuten ungerader Grad.
- Am rechten Ast das Vorzeichen des Leitkoeffizienten bestimmen.
- Sichtbare Hügel und Täler zählen.
- Bei Extremstellen den Mindestgrad notieren.
- Zusatzinformationen wie verwenden.
Kontrollfrage: Habe ich Astregel, Extremstellen und alle Zusatzinformationen gemeinsam verwendet?