Zahlendarstellungen und Zahlensysteme
Kompetenzcode: MG 1.6
Eine Zahl kann auf unterschiedliche Arten dargestellt werden.
Zum Beispiel bedeuten
nicht drei verschiedene Zahlen.
Alle drei Darstellungen können denselben Zahlenwert beschreiben.
In diesem Kapitel lernst du,
- wie Stellenwertsysteme aufgebaut sind,
- wie du Zahlen in einem Stellenwertsystem liest,
- wie du Zahlen zwischen verschiedenen Zahlensystemen umwandelst,
- wie Festkomma- und Gleitkommadarstellung zusammenhängen,
- wie du mit Zahlen in wissenschaftlicher Schreibweise rechnest.
1. Das Stellenwertprinzip
Unser gewohntes Dezimalsystem hat die Basis
Es stehen zehn Ziffern zur Verfügung:
Der Wert einer Ziffer hängt davon ab, an welcher Stelle sie steht.
Betrachte
Die Zahl bedeutet
Also
Jede Stelle entspricht einer Potenz der Basis.
Merke:
In einem Stellenwertsystem mit Basis entspricht jede Stelle einer Potenz von .
2. Andere Zahlensysteme
Das Stellenwertprinzip funktioniert nicht nur mit der Basis .
Ein wichtiges Beispiel ist das Binärsystem.
Es hat die Basis
Darum gibt es nur zwei Ziffern:
Die Stellenwerte sind
Das sind
3. Eine Binärzahl interpretieren
Betrachten wir
Der Index zeigt, dass die Zahl im Binärsystem geschrieben ist.
Wir zerlegen sie nach Stellenwerten:
Nun berechnen wir die Potenzen:
Daraus folgt
Tipp:
Beginne rechts immer mit dem Stellenwert .
4. Welche Ziffern sind erlaubt?
Bei einer Basis dürfen nur Ziffern verwendet werden, die kleiner als sind.
Im Binärsystem sind daher nur
erlaubt.
Die Schreibweise
ist nicht möglich, weil die Ziffer im Binärsystem nicht vorkommt.
Im Dezimalsystem sind die Ziffern
erlaubt.
5. Vom Binärsystem ins Dezimalsystem
Betrachten wir
Wir schreiben die Stellenwerte darunter:
Damit gilt
6. Vom Dezimalsystem ins Binärsystem
Nun soll die Dezimalzahl
binär dargestellt werden.
Wir suchen passende Zweierpotenzen:
Also benötigen wir
Der Stellenwert wird nicht benötigt.
Damit erhalten wir
Kontrolle:
7. Ein allgemeines Vorgehen beim Umwandeln
Wenn du eine Zahl aus einem Stellenwertsystem ins Dezimalsystem umwandelst:
- Bestimme die Basis.
- Ordne jeder Stelle die passende Potenz der Basis zu.
- Multipliziere jede Ziffer mit ihrem Stellenwert.
- Addiere die erhaltenen Werte.
Wenn du vom Dezimalsystem in ein anderes Stellenwertsystem wechselst:
- Suche passende Potenzen der neuen Basis.
- Bestimme, welche Stellen benötigt werden.
- Trage die zugehörigen Ziffern ein.
- Führe eine Kontrolle durch.
8. Festkommadarstellung und Gleitkommadarstellung
Eine gewöhnliche Dezimalschreibweise wie
nennt man hier Festkommadarstellung.
Sehr große oder sehr kleine Zahlen lassen sich oft übersichtlicher mit einer Zehnerpotenz schreiben.
Zum Beispiel:
Diese Form nennt man wissenschaftliche Schreibweise oder Gleitkommadarstellung.
9. Normierte wissenschaftliche Schreibweise
Bei der normierten wissenschaftlichen Schreibweise gilt
mit
Die Zahl vor der Zehnerpotenz besitzt also genau eine von null verschiedene Ziffer vor dem Komma.
Beispiele:
und
Nicht normiert wäre zum Beispiel
Normiert lautet dieselbe Zahl
10. Festkomma in Gleitkomma umwandeln
Beispiel 1: große Zahl
Gegeben ist
Wir verschieben das Komma so weit nach links, bis nur noch eine von null verschiedene Ziffer davor steht:
Das Komma wurde sechs Stellen verschoben.
Daher
Beispiel 2: kleine Zahl
Gegeben ist
Wir verschieben das Komma nach rechts:
Das Komma wurde vier Stellen nach rechts verschoben.
Daher ist der negativ:
Merke:
Große Zahl meist positiver Exponent.
Kleine Zahl zwischen und negativer Exponent.
11. Gleitkomma in Festkomma umwandeln
Bei
verschieben wir das Komma vier Stellen nach rechts:
Also
Bei
verschieben wir das Komma drei Stellen nach links:
Also
12. Gleitkommazahlen addieren
Beim Addieren müssen zuerst die Zehnerpotenzen gleich sein.
Betrachten wir
Wir schreiben den zweiten Summanden mit :
Damit:
Wichtig:
Die Exponenten dürfen beim Addieren nicht einfach addiert werden.
13. Gleitkommazahlen subtrahieren
Auch beim Subtrahieren gleichen wir zuerst die Zehnerpotenzen an.
wird zu
Dann:
14. Gleitkommazahlen multiplizieren
Beim Multiplizieren werden
- die Zahlenfaktoren multipliziert,
- die Zehnerpotenzen multipliziert.
Beispiel:
Zuerst die Zahlenfaktoren:
Dann die Zehnerpotenzen:
Also
Ein zweites Beispiel:
Dieses Ergebnis ist noch nicht normiert:
15. Gleitkommazahlen dividieren
Beim Dividieren werden
- die Zahlenfaktoren dividiert,
- die Zehnerpotenzen dividiert.
Beispiel:
Für die Zahlenfaktoren gilt
Für die Zehnerpotenzen gilt
Damit
16. Ergebnisse immer normieren
Nach einer Rechnung kann ein Ergebnis zunächst so aussehen:
Das ist mathematisch richtig, aber nicht normiert.
Wir verschieben das Komma:
Oder:
Kontrolliere daher am Ende immer:
17. Taschenrechnerdarstellung
Viele Taschenrechner zeigen wissenschaftliche Schreibweise mit einem E.
Zum Beispiel kann
als
3.5E8
angezeigt werden.
Das E8 bedeutet dabei
Es handelt sich nur um eine andere Schreibweise derselben Zahl.
18. Typische Fehler
Fehler 1: Die Basis ignorieren
ist nicht die Dezimalzahl eintausendelf.
Der Index zeigt das verwendete Zahlensystem.
Fehler 2: Eine unerlaubte Ziffer verwenden
ist keine gültige Binärzahl, weil im Binärsystem nur und erlaubt sind.
Fehler 3: Den Exponenten beim Komma-Verschieben falsch wählen
ist
nicht
Fehler 4: Beim Addieren Exponenten addieren
Falsch:
Richtig:
Fehler 5: Ergebnis nicht normieren
sollte als
angegeben werden.
19. Zusammenfassung
Stellenwertsystem
Bei Basis besitzt jede Stelle einen Wert
Wissenschaftliche Schreibweise
mit
Addition und Subtraktion
Zuerst gleiche Zehnerpotenzen herstellen.
Multiplikation
Zahlenfaktoren multiplizieren und Potenzgesetz anwenden.
Division
Zahlenfaktoren dividieren und Potenzgesetz anwenden.
Merke:
Nach jeder Rechnung prüfen: Ist die Darstellung normiert und ist die Größenordnung plausibel?